Neue Klassen, neues Glück…

Heute die letzte neue Gruppe kennengelernt. Siebte Klasse in Kunst – Doppelstunde. Schon beim Reinkommen kann der erfahrene Pädagoge die unterschiedlichen Schülertypen erkennen.

Die Sitzenbleiber kommen betont lässig und langsam reingeschlurft und setzen sich möglichst weit weg von der Tafel und von mir, in die hinterste Reihe. Dort kippeln sie die gesamte Stunde. Nichts dazugelernt könnte man meinen, denn mit diesem Verhalten haben sie das letzte Schuljahr bereits versemmelt. Warum setzen sie sich dann nicht einfach nach vorne und tun wenigstens so, als wollten sie in diesem Schuljahr alles besser machen?

Dann kommen die „Irgendwie will ich Quatsch machen, aber wenn der Lehrer mich hart anguckt kriege ich Schiss- Kinder“ – die muss man nur mal hart angucken und dann sind die auch wieder ruhig und machen, was man sagt.

Dann sind da die Sonderlinge, oft mit Brille und Zahnspange, früher noch mit abgeklebten Brillengläsern. Sie sind gerne schlecht angezogen und müffeln manchmal sogar. Niemand aus der Klasse will was mit ihnen zu tun haben. Ihr größtes Ziel: Unsichtbar sein – bloss nicht auffallen und deshalb machen sie sofort alles was man ihnen sagt. Außer olfaktorisch hat man mit ihnen gar keine Probleme.

Außerdem sind da die gutgelaunten, grinsenden Mädchen, die alle voll lieb zueinander sind: „Hier, du kannst meine Stifte mitbenutzen.“ Sie sind pünkt- und höflich, befolgen alle Regeln und sind sind gut in Kunst. Sie sind die Stützen der Klasse.

Dann kommen ihre schlechtgelaunten Gegenspielerinnen. Die gutaussehenden, frühreifen „Schule ist laaaangweilig“ -Schülerinnen. Vor denen haben die lieben Mädchen Angst. Diese hübschen Biester sind nur an ihrem Äußeren interessiert. Schminken sich schon seit der vierten Klasse und reden ständig über Jungen. Sie haben immer Probleme und nie Bock auf egal was. Die musst du kriegen, sonst kannst du das Schuljahr vergessen. Angeführt werden sie von Sitzenbleiberinnen.  Die auf deine Seite zu holen ist eigentlich auch gar nicht so schwer, denn sie stehen total auf Lob und Zuwendung. „Du hast einen guten Strich, da erwarte ich viel von dir in Kunst. Dein Farbgefühl ist super, dass sieht man auch an der Zusammenstellung deiner Klamotten.“

Und dann sind da noch die Jungs aus der ersten Reihe. Heute auch wieder zwei ganz bezaubernde Exemplare, direkt vor meiner Nase. Die machen erstmal genau das was du ihnen sagst und dann versuchen sie bei dir mit Petzen und Schleimerei zu punkten: „Der Mohamad ist immer so. Der stört auch in den anderen Unterrichtsstunden.“ „Christine kommt immer zu spät.“ „Gucken Sie mal, der Yusuf hat keinen Bleistift dabei.“ Und zwischendurch immer: „Was muss ich für eine Eins tun?“ „Sagen Sie unserem Klassenlehrer, dass ich heute lieb war?“ „Sagen Sie ihm, dass ich gut mitgearbeitet habe?“ Sie sind nur an ihren Noten interessiert und nicht am Unterricht. Sie machen einen Strich und fragen sofort: „Welche Note wäre das bis jetzt? Ist das schon eine Eins?“ Meistens haben sie wenig Geduld und nur mittelmäßiges Talent. Sie denken dem Lehrer ein Ohr abkauen reicht für eine gute Note. Aber da sind sie bei Frau Freitag an der falschen Adresse. Beim dritten Mal „Was muss ich für eine Eins machen?“ lag mir auf der Zunge zu schreien: „Endlich mal die Klappe halten und was halbwegs Vernünftiges aufs Papier bringen.“ Diese Jungs aus der ersten Reihe sollte man schnell woanders hinverpflanzen, dann hat man wenigstens im Unterricht seine Ruhe.

Die wahren Talente können in allen Schülergruppen schlummern. Bei den lieben Mädchen, auch bei den Biestern gibt es immer wieder herausragende Zeichnerinnen und sogar die Sitzenbleiber haben ab und zu ein Händchen für Kunst. Nur die, die ständig nach einer Eins fragen wissen, dass sie nichts drauf haben, denn sie denken, sie könnten mir mit ihrem ständigen Fragen suggerieren, dass sie diese Note verdient hätten. Denn eigentlich wissen sie, dass sie nie eine Eins in Kunst bekommen werden.

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2 Gedanken zu “Neue Klassen, neues Glück…

  1. Hach Fr. Freitag!
    Neues Glück! Wenn das nicht ein bisschen übertrieben ist……
    Glück für die schüler vielleicht, dass sie fr.Freitag als lehrKRAFT bekommen und nicht so eine humorlose, langweilige kunstlehrer wie es Frl. krise zu sein scheint…..*schluchz
    Eine schülerin, die ich zwei jahre unterrichten durfte, schrie mir nämlich durch einen langen flur zu: „Ich komm nich mehr zu ihnen, DIE Hölle mache ich nich noch mal zwei jahre lang durch……!“
    Na, ich wollte sie AUCH gar nicht haben. Aber HÖLLE????? Pöh!

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