Herzlichen Glückwunsch

Unglaublich, das Jahr ist rum. Ich bin völlig fertig und kann es gar nicht glauben. Die Zeugnisausgabe wäre fast in einem Totaldesaster geendet. Frau Freitag was not amused.

Hatten doch die Mädchen beschlossen ihre „Sie hat jetzt endlich einen Freund und warum mischt du dich da ein, und nur weil du mit dem geredet hast, hat er jetzt Schluss gemacht“ -Dramen ausgerechnet heute aufzuführen. Eine Mädchengruppe schrie sich also aufs Heftigste an und die andere Gruppe bereitete sich auf irgendein wichtiges Date vor. Da wurden Haare toupiert und mit Haarspray fixiert. Seit meiner Hochsteckfrisur erkenne ich die Frisierfähigkeiten meiner Schülerinnen als eine echte Kompetenz an. Allerdings heute – auf dem schon zum Frühstück gedeckten Tisch – mit dem ganzen Haarspray…ich sagte dreimal „kein Haarspray“ und die stellen es einfach hinter sich und sprühen fröhlich weiter. Da hab ich ihnen mal richtig heftig die Messer aus dem Lehrerzimmer auf den Boden geknallt „Macht doch euren Scheiß alleine.“ Glücklicherweise befähigt mich meine langjährige Erfahrung, mein hochgeschraubtes Gemüt in sekundenschnelle wieder runterzuschrauben und dann haben wir auch sehr nett gefrühstückt. Dann gab es das Gedicht und viel Gegröle und nach den harten Reimen von MC Freitag blieb eigentlich auch nichts mehr zu sagen. „Hier sind eure Zeugnisse, Tschüß – schöne Ferien.“ Und weg waren sie – keine kostbare Minute der Ferien verpassen. Ich dagegen hing noch ewig im Lehrerzimmer ab und wurde ganz wehmütig. Am Liebsten hätte ich mich auf dem Hof an jeden von uns scheidenden Zehntklässler gekettet. „Die sollen nicht gehen! Die waren gerade so nett. Wir haben doch so schön getanzt.“ Jeder Ärger, jede verkackte Stunde, jeder Wutausbruch ob ihrer Faulheit war wie weggeblasen. „Geht nicht ihr Lieben! Können wir uns nicht in den Ferien treffen? Lasst mich nicht alleine hier….“ Können die nicht alle bei mir wohnen, wenigstens ein paar von denen? Na ja, ich glaube das ginge nicht lange gut. Ob mein Freund was dagegen hätte? Der würde sich mit dem Lieblingsschüler bestimmt auch so gut verstehen.

Apropos, hatte ich dem nicht die Note geändert? Der stand da heute vor dem Lehrerzimmer und beschwerte sich über seine Zwei in Englisch. Na ja, werde ich das Zeugnis eben im Herbst noch mal ändern. Der hat keine drei auf dem Zeugnis. Unglaublich. Und ich habe mich noch mal vergewissert, da gibt es noch mehr Kollegen, die ihm Einsen gegeben haben. Der ist einfach super, ich frag mal meinen Freund, ob wir noch Platz haben.

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3 Gedanken zu “Herzlichen Glückwunsch

  1. Liebe Frau Freitag,
    da ich sie erst vor kurzem gefunden habe, bleibt nun Zeit rückwärts zu lesen. Und das werde ich tun, denn ich amüsiere mich hier prächtig.
    Kommen Sie gut durch die Ferien.
    Mein Sohn studiert Lehramt und büffelt sich gerade bis zum Autismus durch den Examensstoff. Ich wünsche ihm eine Prise Ihres Humors und Ihres Mit-den-Schülern-Sein, wenn ich auch fürchte, dass er immer die gemäßigte, pädagogische Ecke suchen wird.
    Erst letztens hat sich auf meiner Mutters Dachboden eine Kiste mit meinen vergessenen Schulsachen wiedergefunden und dabei bin ich auf Unterlagen zu einem hervorragenden Deutschunterricht gestoßen. (Danke Frau Götz!). Leider war ich damals, ja wo? Zwischen Moped und Treffpunkt und all die schönen Themen sind im pubertären Gehirn verdampft. Doch zwei Situationen mit dieser Lehrerin sind mir ins Gedächtnis eingebrannt.
    1.) Einmal hat sie meiner Banknachbarin in der 6. Klasse eine Bildbeschreibung mit der Note 6 in voller, echter Verzweiflung zurückgegeben und erklärt sie müsse es tun, da die Elke beschrieben hat was hinter verschlossener Tür vor sich ging (eigentlich ganz schön individuell), was man aber auf der Vater&Sohn geschichte gar nicht sehen konnte 😉
    2.) In der Oberstufe hatten wir sie wieder und wir analysierten tagelang einen Spiegelartikel zum Thema „Punk“ + Texterörterung. nach einigen Tagen machte eine Mitschülerin einen Scherz und steckte sich eine Kette aus Sicherheitsnadeln lose in den Mundwinkel.
    Den Schreck der Lehrerin und das gestammelte „aber, aber das wollte ich doch nicht “ ist unvergessen.
    Also, immer schön Mensch bleiben, das bleibt hängen!

  2. Hach ja. Ich wünsche Ihnen schöne Ferien, Frau Freitag! Und kommen Sie gut erholt wieder – ich freue mich auf kommende Texte!

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