Von wegen Kollegen…

Die Heterogenität der Lehrerkollegien ist eine Sache für sich. Da hat man eine Schule, mit einer recht homogenen Schülerschaft und dann diese vielen sehr unterschiedlichen Kollegen.

Die unterschiedlichen Einstellungen kommen gerade bei so Themen wie Versetzung, oder doch nicht Versetzung deutlich zutage. Hat eigentlich jedes Kollegium die gleichen Lehrertypen? Sind an jeder Schule alle Variationen unserer Spezies vertreten?

Garantiert gibt es überall die antiquierte Ausgabe des Lehrmeisters, den Pauker, den „harten Hund“. Den kennen wir alle aus unserer eigenen Schulzeit und ich treffe diesen Typ in jeder Schule wieder. Der harte Hund lässt sich auf gar nichts ein. Er ist gefestigt in seinen Prinzipien, genießt bei der Schulleitung  großes Ansehen und ist davon überzeugt, dass sein System das einzig Wahre ist. Ihn gibt es nicht nur als Mann, auch Frauen können der harte Hund sein.

Gerne schildert er im Lehrerzimmer „wie man es macht“. Eine neue Klasse – kein Problem, die wird erstmal drei Tage lang so zusammengebrüllt, bis sie alle weinen und sich eingeschüchtert die nächsten sechs Jahre durch Augenbrauenmimik dirigieren  lassen.

Soziales Lernen, demokratische Strukturen und Evaluation sind für den harten Hund „so ’n Schnullie-Kram“ mit dem er sich nicht abgibt. Er ist von seiner Alleinherrschaft überzeugt. In Klassen von dieser Art Diktator-Lehrern haben es Kollegen schwer, die anders sind, in seinen Augen „weicheieriger“. Die Schüler drehen durch, wenn sie plötzlich mit milderem Auftreten konfrontiert werden. Der harte Hund weiß:  na, der oder die haben es einfach nicht drauf. Denn sein eigenes System wird ja, wie gesagt nie von ihm angezweifelt.

Schüler fürchten diesen Lehrertyp und verwechseln deshalb Angst mit Respekt. Oft hört man von ihnen „Der ist zwar voll streng, aber wir haben viel von ihm/ihr gelernt.“

Klar, beim harten Hund ist jede Klasse erstmal ruhig. Unterrichtsstörungen kommen so gut wie nie vor. Traut sich ja auch niemand. Aber nur weil es ruhig ist, heißt das nicht automatisch, dass jeder viel lernt. Methodisch und pädagogisch bewegt sich der hier beschriebene Lehrertyp nämlich nicht nur im Mittelalter, sondern gerne auch im gefährlichen Sumpfgebiet der gesetzlichen Grauzone: Demütigungen, Beleidigungen und teilweise auch Gewalt gehören zu seinem täglichen Repertoire. Bestraft wird er allerdings nie.

Der Kollege harter Hund kotzt mich in seiner Selbstherrlichkeit an. Nie will er mal was Neues hören, geschweige denn lernen. Weiterbildung? Wozu? Teamarbeit? Was soll das sein? Kritik? Wieso? Bei mir läuft’s doch. Nicht nur in meiner eigenen Schulzeit, auch heute ecke ich immer noch an, wenn mir dieser Lehrertyp begegnet. Sie sagen immer das gleiche und in jedem Statement versteckt sich Kritik an dem Gegenüber:

„Wenn es nicht leise ist, fang ich gar nicht erst an.“

„Echt, das hat der gemacht, das traut der sich bei mir nicht.“

„Den hab’ ich so gegrillt, der hat nicht mehr gezuckt.“

Da wird „auf den Topf gesetzt“, „gar nicht lange gefackelt“,“ kurzer Prozess gemacht“, „erstmal ganz hart durchgegriffen“ und grundsätzlich „gesagt wo es langgeht“, ständig werden „jetzt aber mal ganz andere Töne angeschlagen“ oder „die Daumenschrauben angelegt“.

Andere Lehrertypen werden verunsichert oder belächelt. Harte Hunde sonnen sich in ihrem schlechten Ruf. Schüler fürchte, hassen oder verehren sie. Kollegen ärgern sich über sie, trauen sich aber auch nicht sie zu kritisieren.

Ich finde, sie gehören ins Museum, oder nach Frankreich. Bei der nächsten Schulinspektion sollten sie entdeckt und suspendiert werden. „In fast 70 Jahren nichts dazugelernt, Klassenziel nicht erreicht, dieser Lehrer wird leider nicht in die nächst höhere Klassenstufe versetzt.“

Armer harter Hund, bleib’ einfach sitzen, aber bitte zu Hause.

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5 Gedanken zu “Von wegen Kollegen…

  1. übriegens ist der harte hund bei jeder kollegiumsfeier der, der am meisten trinkt und sich dann völlig besoffen daneben benimmt.
    stimmt’s, oder hab‘ ich recht?

  2. Arme Frau Freitag,
    jetzt fängst du schon an hier in deinem Block Selbstgespräche zu führen.
    Ja, schreibt denn keiner eine Antwort?

    Ich persönlich bin ja auch total konsequent – getreu dem Motto: Die schönste Form der Konsequenz ist doch die Inkonsequenz!
    Das mit den Kollegiumsfeiern kann ich nicht beantworten – so lange würde ich da nie bleiben….
    Gruß von hier
    Ihr von und zu undsoweiter

  3. Huhu Fraufreitag,
    lieber als der harte hund ist mir der kalte hund….hm lecker, bloß nach einem stück ist einem schlecht. Aber vom harten hund kann einem auch schlecht werden…..
    Mehr kann ich heute nicht sagen – ich bin wie gekocht vom sportfest gekommen und lege mich jetzt mal in die badewanne.
    Tschööööö
    das stark transpirierende Frl.Krise…..

  4. Bei uns gibt es keinen harten Hund. Wir sind wahrscheinlich zu klein für so eine antike Sammlung. Bei uns sind alle Männer Weicheier – durchweg. Bei den Frauen gibts aber das Phänomen der scharfen Hündin, sie beißt nicht, hat alles unter scharfer Kontrolle und lässt nichts durchgehen. Knurren reicht. Das System der Konditionierung beherrscht sie perfekt. Ich bewundere sie – sie hat aber auch 27 Dienstjahre Erfahrung. Ich habe also noch Zeit meinem Vorbild nachzueifern. Aber bestimmt war sie nie so chaotisch wie ich und macht immer erst eine Sache zu Ende bevor sie die nächste anfängt. Sie weiß auch immer was richtig oder falsch, gut oder böse ist. Woher weiß sie das? Ist sie damit geboren? Bestimmt, weil sie ist die perfekte Lehrerin – niemals würde es ein Schüler wagen zu ihr zu sagen: „Aber Frau Dienstag, das müssen Sie doch wissen … Sie sind doch Lehrerin.“

  5. Ich weiss, ganz schlimmer Fall von BlogPost-Nekromantie..

    .. aber der harte Hund trifft bei mir son ganz wunden Punkt.

    Der Harte Hund hat an einer Schule heute nichts mehr zu suchen, der gehört frühpensioniert/ausgemustert, so schnell es nur geht. Nur ein einziger Harter Hund zur falschen Zeit reicht schon aus, die Schullaufbahn nachhaltig und nicht unbedingt positiv zu beeinflussen.

    Der Harte Hund, der sich mir ins Gedächtnis gebrannt hat, war Klassenlehrer / Sport / Mathe (5. Klasse bis 7. glaube ich) – und scheute in seiner pädagogischen Weisheit nicht davor zurück, die 2-3 unsportlichsten Schüler in bald jeder Mathe Stunde gezielt bloszustellen, mit unheimlich lustigen Spitznamen zu versehen. heute würde man glaub systematisches Mobbing dazu sagen, damals sagte man „Späßchen, das darf man ned so eng sehen“. Ganz übler Fall, dabei war es dem Harten Hund glaub gar nicht mal klar, was er da anrichtet. Bin sogar überzeugt davon.

    …und dann wunderte man sich, dass diese Schüler es im Klassenverbund schwer haben („hey, wenns der Lehrer tut, dann dürfen wir das auch.. und legen gleich noch ne Schippe drauf“) was die Motivation, die Schule zu besuchen, natürlich unheimlich steigert.

    Sehr frustrierend ist dabei auch die Ohnmacht der Eltern, der Harte Hund ist, wie Frau Freitag schon schrieb, bei der Schulleitung sehr beliebt.. Chancenlos – zumindest damals..

    … und ja, viel gelernt hat man beim Harten Hund. *seufz*

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