Wenn man nicht schlafen kann

Das ist schrecklich, morgens um vier Uhr aufwachen und sich im Bett wälzen. Was hat das mit der Schule zu tun? Wahrscheinlich sind das mal wieder Vorboten des Burnouts, die mich in diesen viel zu frühen Morgenstunden wachrütteln. Warum wäre sonst mein erster Gedanke: „Habe ich die Buchbefreiungszettel alle bekommen (Nachweise, dass die Familien meiner Schüler Geld vom Job-Center erhalten)? Wird sich Manuela wieder mit Katrin vertragen, oder startet da jetzt der erste richtige Zickenkrieg in meiner Klasse. Warum kommt Justin immer zu spät? Sollte ich die Eltern anrufen? Wo habe ich die Zeichnungen der Zehnten Klasse, die muss ich noch zensieren.“

Mit solchen Gedanken aufzuwachen nervt. Und je länger ich über jedes einzelne Problem nachgrüble, umso unlösbarer scheinen sie. Werde ich langsam irre? Habe ich eine Kontrollzwang oder bin ich einfach zu früh ins Bett gegangen? Geht es anderen auch so und kann  ich diese Stunden als Mehrarbeit irgendwo geltend machen?

Das Verrückte ist, dass mich diese Gedanken direkt in eine schöne depressive Verstimmung steuern. Ich habe noch nie auch nur ein Problem dadurch gelöst, dass ich von vier bis sechs darüber nachgedacht habe. Frl. Krise sagt, dass sich mein Gehirn, in diesen frühen Stunden, in dem gleichen Stadium befindet, wie in einer echten Depression. Das sei allerdings ganz normal und ich habe auch schon gemerkt, dass alles wieder gut ist, sobald ich mich in die Küche schleppe, um Kaffee zu machen. Aber Kaffee um vier? Kaffee darf man erst um sechs machen!

Das einzige wirksame Mittel um vier ist Ablenkung. Deshalb: Aus dem Bett auf die Couch umziehen und den Fernseher anmachen. Sich von Serienschwachsinn in den Schlaf labern lassen und um sechs wieder aufwachen.

Aber heute…was läuft da? Die Wiederholung von „Hart aber fair“ – Thema: Frühförderung im Kindergarten. „Sollten Dreijährige Englisch lernen? Wie teuer darf ein Kitaplatz sein und mal wieder das dreigliedrige Schulsystem…“ So richtig ablenken lassen kann mich davon nun auch nicht.

Liebe Programmmacher vom Fernsehen, bitte sendet so früh am Morgen bitte mehr leichte Kost, denkt bitte daran, wer sich da vor dem Bildschirm befindet. Lehrerinnen, die nicht mehr loslassen können oder Mütter, die über die richtige Kitawahl nachdenken. Nehmt doch mal mehr Rücksicht, oder bringt mal einen Beitrag über Schlaflosigkeit oder eine Sendung, die mir hilft, die Kunstarbeiten zu finden.

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4 Gedanken zu “Wenn man nicht schlafen kann

  1. hat eigentlich jemand den kleinen fogel gesehen? wo bist du? hat man dich nach dem letzten unterrichtsbesuch vom himmel geschossen? oder traust du dich mit deinem zeugnis nicht nach hause?

  2. Haaaallo, ihr da draußen an den monitoren…
    und fernsehern……
    Also, Fraufreitag, jetzt muss ihnen mal sagen, dass ich heute auch um 4 uhr wachgeworden bin und mich ein bisschen über eine sitzung nach-geärgert habe! Aber nur ganz kurz, dann HABE ich mir kaffee gekocht, ihn getrunken und komatös weitergeschlafen. kaffee bringts um diese Zeit – ich sage nur : paradoxe intervention……!
    Was auch überaus schlaf-fördernd ist: In der ARD gibts früh eine ganz komische sendung: Die schönsten bahnreisen. Da fährt man mit einem zug durch eine eintönige landschaft und davon ermüdet man so, dass man gleich wieder einschläft. Ich weiß bloß nicht, ob es die sendung noch gibt? Falls ja, unbedingt empfehlenswert.
    Den kleinenfogel hab ich auch schon vermisst….vielleicht hat er ja fogelgrippe oder so…..
    tschööööö

  3. hi auch frau freitag und frl. krise (sagen die asi-eltern von euren gören auch „Frolleinchen“ zu denen?).
    ich bin wieder/noch da. geh aber langsam grad mal wieder im grundschultreibsand etwas unter (zeugnisnoten, examensarbeit, u-besuche, orga-kacke). bin eben kein guter grundschullehrer und hab’s nicht leicht. mein eigenes zeugnis wird solala. die eine anleiterin meinte schon vorhin, sie hätte probleme sich mit der anderen referendar-anleiterin einig zu werden über meine beurteilung, die die direktorin kriegt. das ist ja alles immer kacke mit den zeugnissen. aber irgendwie steck ich’s ab einem gewissen grad der beschissenheit weg und mach einfach weiter. ich mach ganz oft innerlich dicht im schulalltag, glaube ich. vielleicht bin ich leicht authistisch. oder sind das alles lehrerInnen?

    früher war das einfacher. jedenfalls für mich. irgendwie klare aufgaben, klare klassenarbeiten, im mündlichen mitmachen oder nicht – und dann konntest du dir das kurz vor den ferien an 5 fingern abzählen. heute ist alles im prozess und entwicklung und kompetenzen sollen sprießen. ich soll jonglieren mit allerlei orga-kram und mir vermutlich schlafen abgewöhnen.

    das früh-aufwach-problem kenn ich gut. ich dachte, das liegt an meinen vorhanglosen fenstern, kommt aber wohl doch zum großteil von innen.

    also, mich gibt’s noch. ich will euch alle treffen in den ferien auf einer geheiminsel oder irgendwo im boden und am besten dann schon mal erfahren, wie ich das für mindestens noch 1 jahr aushalten kann, ohne dieses gefühl des weniger-werdens, dahinschwindens und langsam-an- verschiedenen-seiten-aufgerieben-oder-verhärtet-werdens zu haben.
    ich wollte nie einen 10jährigen lausebengel und quasi „sohn der straße“ nach art des full-metal-jacket-ausbilders zusammen scheißen, aber ich tue es. weil der ist einfach ein kleiner teufel und ich weiß hinterher ganz klar, dass das richtig war.

    well, irgendwie lasse ich den stress glücklicherweise durch das geschreibe und gelese hier schon ein stückchen hinter mir zurück.
    frau freitag, ich hab’s ein bisschen leichter und besser seitdem ich hier mitmache.

    • durchhalten kleiner fogel…lass dich nicht runterziehen…die haben jetzt alle in den schulen den endjahresstress und da sind sie jetzt eben auch mit dir überkritisch, aber eigentlich sind deine anleiterinnen nur sauer, dass sie noch so viele noten machen müssen. und bald sind doch erstmal die sommerferien. und dann nervt es nochmal aber dann is auch vorbei. und wie schon gesagt, es wird wirklich besser. auch wenn frl. krise oft abkotzt, die bereitet doch gar nichts mehr vor und macht den unterricht mit links…ach was, mit der nase. die entspannt sich in jeder stunde. die läßt die schüler arbeiten…und kommt dann total entspannt nach hause. und so wird das auch bald bei dir. nimm nicht alles so schwer. komm hier zu uns und lies und schreib. hier sind doch soviele nette leute. und auch referendare oder solche, die es werden wollen. schule braucht dich!
      bis dann
      eine mitfühlende
      frau freitag

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