Die Superlehrer

Der große Unterschied zwischen Lehrer und allen anderen Berufen zeigt sich auf Partys. Früher hat man sich über Musik unterhalten, erstmal gefragt, auf welche Schule man geht oder ob man gestern das oder das im Fernsehen gesehen hat. Heute kommt ziemlich schnell die Frage: „Und was machst du so?“ – Niemand fragt „Und welchen Beruf hast du?“ Jedenfalls habe ich schon oft gehört oder gelesen, dass gerade Lehrer sich scheuen, auf diese Frage zu antworten. Es wird niemanden überraschen, dass ich auf jeder Party (hießen die nicht mal irgendwann Feten?) aus tiefster Seele und sogar ungefragt sage: Ich bin Lehrerin. Dann warte ich kurz auf das: „Und was unterrichtest du?“ Von mir dann immer der gleiche Witz: Kinder und Jugendliche; bevor ich meine Fächer nenne. Würde ich noch auf Partys gehen, könnte ich ja mal sagen: MSN und Counterstrike. Wahlweise unterrichte ich an der Mohamad Atta, Rainer Langhans oder Paris Hilton Oberschule. Jedenfalls verzieht mein Gegenüber an dieser Stelle sein Gesicht und ich weiß schon was kommt: Entweder: „Ist das wirklich so schlimm, wie man immer hört?“ Oder „Macht dir das Spaß?“ Spaß? Warum werde ich immer gefragt, ob mir das Spaß macht? Frage ich den Finanzbeamten als erstes, ob ihm sein Beruf Spaß macht? Wird der Polizist nach dem Spaßfaktor gefragt? Dann kommt das Unweigerliche: „Na ich könnte das nicht.“ Musst du ja auch gar nicht. Aber warum verlaufen diese Gespräche immer so? Ich sage doch auch nicht: „Oh, du arbeitest beim Fernsehen, macht dir das Spaß? Na, ich könnte das nicht.“

Aber das hört jetzt auf! Der Bildungssender SAT1 hat sich dieses Problem der Lehrer zu Herzen genommen und reagiert ab dem 15.6. mit einer neuen Doku-Serie darauf.

Die Superlehrer. So wie ich das bisher verstehe werden dort 4 Superpädagogen mit 16 Schuldistanzierten für 4 Monate in eine Schule eingeschlossen und wenn die wieder rauskommen haben alle(!) den Hauptschulabschluss. Hätte ich davon früher gewusst, ich hätte mich doch sofort beworben. 5000 Euro im Monat, wöchentlich im Fernsehen und danach ist man ein Lehrer-Star und die Angebote flattern dir ins Haus.

Danke liebes SAT1, dass du so eine tolle Sendung machst. Von der Supernanny und den Teenagern außer Rand und Band habe ich ja schon viel gelernt, aber jetzt kommt endlich ein Format, dass wahrscheinlich zur Abschaffung des Referendariats führen wird.

Die Superlehrer – das klingt wirklich viel versprechend und auf den Party heißt es dann nur noch: „Lehrer, oh super, das will ich auch werden…wo kann man sich da bewerben?“

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9 Gedanken zu “Die Superlehrer

  1. Frau Freitag,
    Sie sprechen mir mal wieder aus dem herzen. Eine Bemerkung haben Sie vergessen, aber vielleicht höre ja auch nur ich sie immer (weil ich so frisch aussehe, haha): „Du hast es gut…du hast ja soviele ferien“ Da höre ich mit meinem feinen dritten ohr gleich noch: „und bist mittags fertig und gehst dann Tennis spielen (na,ok., das denkt bei mir eher niemand) oder shoppen oder schlafen oder was auch immer……) Früher habe ich dann immer verlegen was von vorbereitungen und korrigieren und kaputt-sein und schulegehtbis15uhr gemurmelt, aber das habe ich mir abgewöhnt. Heute schmetterere ich gut gelaunt: „Ja, das ist echt toll!!!! Hättest ja auch lehrer werden können…..“ DAS SITZT! Dann wende ich mich ab und frage den nächst besten: „Na, was machst denn du so?“

  2. Hm. Mies sind dann aber diejenigen Lehrer, die sich den Job nur wegen der Ferien aussuchen. Und das dann in der Uni auch noch stolz als Grund nennen. Andererseits — die sind dann nach ziemlich kurzer Zeit bestimmt auch ziemlich im Eimer. Werden Opferlehrer. Und so weiter.

  3. Naja, Lehrer ist schon ein einigermaßen peinlicher Beruf. Meistens sind das ja machtgeile Untertanen-Charaktere, die nach oben buckeln und nach unten treten.
    Journalist ist aber auch nicht viel besser. Deshalb sage ich, wenn man mich auf Parties nach meinem Beruf fragt: „Ich bin Eisverkäufer im Zoo, vor dem Nilpferdhaus.“ Die Nachfrage „Und was machst Du im Winter?“ kann ich dann immer mit einem lockeren „Frei!“ beantworten.

  4. Liebe Frau Freitag,

    die Frage „Und was machst du“ wird mir ja seit meinem Studium gestellt. Auf diese Antwort „Ich studiere Geschichte“ folgte dann in aller Regel ein „Aha. Und was machst du damit?“ Meine Antwort, die jede weitere Nachfrage im Keim erstickte war: „Ich geh‘ zur Uno“.
    Das Gespräch endete oft an dieser Stelle, oder das Thema wurde spontan gewechselt.
    Leider bin ich trotz Studienabschluss nicht bei der Uno.

  5. „Kinder und Jugendliche“ ist eine echt witzige Antwort. Da musste ichhier bei meiner nachmittäglichen Schicht spontan auflachen.
    Danke auch für die Top 10 der Ermunterungen. Manche haben etwas geholfen. Ich sollte aber noch lernen, die kleinen nickligkeiten des Tages hinter den Schulpforten zurückzulassen. Mich wurmt’s z.B. noch, wenn jemand sagt, ich „müsse da noch fleißiger werden“, obwohl ich von Sonntagfrüh bis Montagspätvormittag durchgedacht, -gemacht und -getan hab. Ich mach was falsch – das ist wahrscheinlich die häufigste und zentralstste Einsicht für ReferendarInnen.
    Werde mich besser verkaufen und meine Schokoladenseiten schöner rausputzen und in jedem Nebensatz, wo geht, meine Zusatz-Über-Wahlpflicht-Freiarbeit(Welch Paradox!!!)-Sonder-Einsätze erwähnen.

    Zum SUPERLEHRER: Einem Freund von mir wurde eine Kandidatur zu eben dieser Serie via SAT 1 von der Arbeitsagentur vorgeschlagen. Er hatte aber Schiss, da verheizt zu werden. Er wartet lieber aufs Referendariat… Erinnert mich ein bisschen an „vom Regen in die Traufe… Aber jedenfalls krass, dass die Agentur versucht, studierte Lehrer in harte Soaps umzuleiten.

  6. Pingback: espressodoppio » Blog Archiv » Auch das noch: Die Superlehrer

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