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Integration – wo ist das Problem?

Juni 26, 2009

Noch mal zur Integration. Also an meiner Schule haben wir überhaupt keine Probleme damit. Fröhlich integrieren wir seit Jahren und sind damit sehr erfolgreich. Beim letzten Ramadan übergab sich Sabine in der Mathestunde, weil ihr vom Fasten schlecht wurde und Rainer kam im März vor dem Unterricht auf mich zu: „Ich heiße ab jetzt Mohamed.“ Stoisch reagierte er nicht mehr auf seinen Kartoffelnamen, spielte unentwegt mit seinem Gebetskettchen und las ständig in einer deutschen Übersetzung des Korans. Also ich weiß gar nicht, was alle haben. Integrieren ist doch easy. Der Trick ist einfach, eine moslemische Mehrheitsgesellschaft zu schaffen.

Siebte Klasse – Vertretungsunterricht. Ich lasse die Schüler was zeichnen. Ein Gruppentisch ist ziemlich laut. Ich höre mehrfach „Charra und scharmuta“ (Scheiße und Hure) Irgendwann reicht es mir. Ich stürze mich an den Tisch und schreie „Challas!“ (lass das!). Die Jungen gucken mich verwirrt an.  Ich sage: „Istrele!“ (arbeitet)

Keiner reagiert. „Was ist, verstehst du das nicht?“ frage ich den einen und gucke dabei sehr böse. „Ich kann kein Arabisch, ich bin Kurde.“

„Aber du…“ wende ich mich an den nächsten „Du verstehst das doch..“ „Nee, ich bin aus Polen. Der dritte was Türke und dann saß da noch einer mit einer thailändischen Mutter, der aber nur deutsch sprach. Aber fluchen auf arabisch, das geht. Wenn wir die Schüler nicht da abholen wo sie sind, dann machen das eben die Mitschüler. Und irgendwie ist es doch auch schön, wenn sie was lernen. Wie könnte ich als Fremdsprachenlehrerin nicht begeistert sein, dass sie sich freiwillig mit anderen Kulturen auseinandersetzen?

Mein Kollege sagte neulich „Ich bin der einzige Deutsche in meiner Klasse“. „Na hoffentlich wirst du auch gut integriert.“ Da meine Definition von deutsch sowieso eine andere, als die der meisten meiner Kollegen ist (für mich sind meine Schüler alle Deutsche),  sehe ich die Integrationsdebatte ja auch gelassen.

Mein Türkisch wird von Tag zu Tag besser und mit dem Arabisch – na ja, ich arbeite dran. Is’ auch schwer, vallah! Diese ch-Laute sind eher was für Schweizer.

Elterngespräche auf Türkisch klappen aber schon ganz gut. Übersetzt gehen die ungefähr so:

„Ich Lehrerin Erhan.“ (Öretmen Erhan)

„Ahh.“

„Erhan nein sehr schön Englisch. (Erhan hayir cok güzel English) Erhan immer Handy“ (Handy ist universal verständlich)

„Erhan Kunst sehr schön.“ (Erhan Kunst cok güzel)

„Erhan Englisch nein, nein“  (Erhan Englisch hayir, hayir)- ‚schlecht’ kenne ich noch nicht.

Ich mach ein trauriges Gesicht. Mutter Erhan auch.

Ich: „Aber Erhan guter Junge (Bushidos Plattenlabel) memnum oldum Erhan (sagt man eigentlich zur Begrüßung und heißt soviel wie „ebenfalls angenehm“)

Mutter wieder happy. Frau Freitag auch happy. Erhan auch happy. Fertig.

Heute hat mir jemand „inshallah tmout“ beigebracht. Das heißt „hoffentlich stirbst du“. Mal sehen, wie ich das in das nächste Elterngespräch einbauen kann.


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