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Immer wieder Montags…

Mai 25, 2009

Montag…das ist mein Lieblingstag in jeder Arbeitswoche.  Sonntagabend kann ich gar nicht abwarten ins Bett zu gehen (geh darum immer schon sehr früh auf die Couch – zur Lindenstraße), denn Montag darf ich wieder hin. Zur Schule!

Montags liebe ich, weil da die Schüler immer so gut drauf sind. Leider habe ich Montags immer nur vier Stunden und ich beneide meine Freundin, die Montags gleich sieben Stunden mit den ausgeruhten und wissbegierigen Kindern verbringen darf. Meine Montage sehen so aus:

Ich schlendere um zwanzig nach sieben durch den Verwaltungstrakt und schmettere jedem, den ich sehe ein fröhliches ‘Guten Morgen’ entgegen. Vor den offenen Schulleitertüren immer besonders laut, damit man bemerkt, dass ich schon so früh auf Arbeit erscheine. Um viertel vor acht gehe ich in meinen Klassenraum und bereite den Unterricht vor. Tafel muss blitzen, Bücher aus dem Schrank – die Schüler sollen nicht so schwer schleppen – , Kursbuch auf den Tisch, meine Unterrichtsvorbereitung dazu, überfliege noch schnell die Verlaufsplanung, die Sach- und die Bedingungsfeldanalyse. Überprüfe noch mal die Lernziel und lüfte. 7.50 Uhr. Jetzt können sie kommen die kleinen Racker. Ich bin bereit. Kommt her und lernt. Auf dem Gang – Totenstille. Dann Schritte – ah, jetzt geht’s los…nein, ein Schüler der Parallelklasse. 7.55 Uhr. Fenster wieder zu – wegen Straßenlärm. 8.00Uhr – mit dem Klingeln kommt Ronnie durch die Tür und läßt sich erschöpft vor mir auf einen Stuhl fallen.

“Guten Morgen Ronnie. Na, hattest du ein schönes Wochenende?”

“Erggr”

“War nicht gut? Naja, hol erstmal dein Buch.”

8.07 Uhr die Tür geht auf und drei gackernde Teenagermädchen fallen gemeinsam durch die Tür. Kein “Sorry I’m late.” Oder wenigstens ein dahingemurmeltes “tschudjung”. Bis 8.20 Uhr öffnet sich in rhymischen Abständen die Tür und nach und nach tauchen fast alle Teilnehmer meiner Stunde auf – der letzte um 8.40Uhr. Ich habe mit der Zeit gelernt (einer muss ja was lernen – warum nicht ich), meinen Unterricht in sich wiederholenden Zeitschleifen abzuhalten. Wie beim Tanzen – zwei vor und einen zurück. Klappt schon ganz gut. Während ich den neu Dazukommenden Seitenzahlen nenne, beschreibe was wir gerade machen und was wir nun schon seit mehreren Stunden machen, verwickle ich mich mit den zwei Leistungsträgern des Kurses (besonders viel haben die nicht zu tragen) in ein zähes Frage-Antwort-Spiel. Ins Klingeln hinein rufe ich die Haushaufgabe für die nächste Stunde. Keiner schreibt sie auf, aber das macht nichts, denn niemand wird diese Hausaufgabe machen. Auch das werde ich noch lernen. Wenn du keine Hausaufgaben aufgibst, kann auch keiner die Hausaufgabe nicht machen. Ich liebe diese Montage. Auch weil sie exakt immer gleich, nämlich wie oben beschrieben anfangen. Nein, das stimmt nicht, die Reihenfolge in der die Schüler zu spät kommen, kann sich jede Woche ändern. Nur Ronnie kommt immer als erster und hat auch jeden Montag schlechte Laune.


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