Früher war auf keinen Fall besser

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Jetzt sind doch bald Ferien, was rege ich mich eigentlich noch so auf? Vorhin – Englisch in der Achten – okay, ich gebe zu, dass ich nicht besonders gut vorbereitet war. Aber ist das ein Grund laut und unverschämt zu sein? Nein! Ich finde nicht.
Jetzt gibt es für die nächste Stunde erstmal eine neue Sitzordnung und einen unangekündigten Test und dann wollen wir doch mal sehen… und in den Ferien werde ich mir Vordrucke machen für Aktennotizen und wenn ein Schüler meinen Unterricht stört, dann bekommt er gleich so ein Ding in seinen Schülerbogen gedonnert.
Ach, das Leben kann doch auch schön sein.

Ich brauche mal ein paar Tipps – ich soll für eine Zeitschrift einen Text über das Referendariat schreiben. Schön und gut – aber worüber? Meine eigene Ausbildungszeit ist nun schon so lange her, dass ich die wie einen Frühlingsspaziergang (wie schreibt man das denn?) empfinde. Ich hatte ja auch die beste anleitende Lehrerin, die man sich wünschen kann. Das gutmütige, leicht unorganisierte Frl. Krise. Damals hat sie noch geraucht – also jetzt tut sie das eigentlich auch noch – allerdings nur in meiner Küche und wenn sie mit mir zusammen ist – also empfinde ich sie immer noch als Raucherin. Sie sich aber nicht. Jedenfalls standen wir immer in den Pausen zusammen und haben gequalmt.

Jetzt wo ich ganz normale Lehrerin bin merke ich, dass man sich gar nicht mehr in die Referendare reinversetzen kann. Also ich bin jetzt nicht so ignorant zu glauben, dass die immer schön frei haben, wenn die um 10 Uhr die Schule verlassen. Ich kann mich dunkel an das ein oder andere nervende und zeitfressende Seminar erinnern in dem man immer irgendeinen Scheiß machen sollte. Meistens in Gruppenarbeit und das bringt ja bekanntlich gaaar nichts. Aber diesen innerlichen Stress der jungen Kollegen – den kann ich gar nicht mehr nachfühlen. Wenn ich mal kurz denke: “Bähhh, ich habe gleich in der achten Englisch und keinen Bock drauf”, dann weiß ich auch, dass dieses Gefühl nach spätestens einer Stunde wieder weg ist, da die Stunde dann gehalten und die Misserfolge bereits erfolgreich verdrängt wurden. Das ist ja gar nichts im Vergleich zu dem psychischen Zustand vor einem Unterrichtsbesuche – oder noch schlimmer – man weiß man bekommt bald Besuch von einem Seminarleiter und man hat noch keinen Schimmer, was man in der Stunde machen soll und die Klasse ist dauernd auf Exkursion und man kann gar nichts vorbereiten und man hat schon vier Mal eine Einführungsstunde gezeigt und überhaupt…. schrecklich – ich erinnere mich dunkel. Ihr lieben Referendare, die ihr hier mitlesest oder ihr jungen Junglehrer – worüber soll ich denn eurer Meinung nach schreiben?
Ich bin sehr gespannt auf eure Vorschläge.

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64 Antworten to “Früher war auf keinen Fall besser”

  1. bambooos Says:

    Guck bei mir im Blog nach, da geht es nur um sowas ;)
    Vielleicht sollte auch einfach ich das Schreiben übernehmen ;)

    http://dersteinigeweg.wordpress.com/

  2. Stephieacasa Says:

    Hallo, hier spricht eine Referendari aus NRW, die in 6 Wochen ihre letzte Prüfung hat.

    Es gibt vieles, was an der Ausbildung nervt: die Unsicherheit über ne Stelle, das nervige Verhalten der richtigen Lehrer zu uns am Katzentisch im Lehrerzimmer, die manchmal auch nicht so gelungene Ausbildung und die Reformwut der Bildungsministerien, die unsere Ausbildung so verkürzen, dass sie richtige Kohle sparen, wir aber direkt zu Beginn des Refs in unseren eigenen Unterricht hineingeworfen werden.
    Am schlimmsten finde ich aber den stetigen Druck von allen Seiten: dem Seminar, dem Direktor, den Ausbildungdskoordinatoren, den Ausbildungslehrern: einfach alle bewerten und beurteilen und immer muss man diese Meinung akzeptieren, weil man ja auf eine gute Note oder eine mögliche Vertretungsstelle hofft.

    (Die positiven Aspekte habe ich jetzt mal ausgelassen, in so einem Artikel will das bestimmt niemand lesen.)

    Liebe Grüße, ich mach mal weiter mit diagnostizieren und fördern,
    Stephieacasa

    • fraufreitag Says:

      viel glück für die prüfung. ich hatte meine am 6.märz vor genau 10 jahren. und zu dem druck – ich hatte immer den eindruck ich wäre beim militär – erst mal fertigmachen und dann wieder neu zusammenbauen.

  3. lemmi Says:

    vielleicht mal über die beklopptesten Sachen, die man mit allergrößter Ernsthaftigkeit in den Seminaren gemacht hat?
    Ich erinnere mich an etwas mit Stimme und so…wie wir uns gegenseitig mit minutenlangen aaahh und ohhhh angeblökt resp. “umhüllt” hatten….oh mann!

  4. katrin Says:

    also ich bin eine voll altlehrerin mit 47, aber auch ich habe dunkle erinnerungen. an mein referendariat: ich bin grundschultante und im ref gab es tatsächlich mademoiselles, die mit einem lebenden huhn oder mit 30 blumentöpfen und tausenden von kressesamen in die prüfungsstunden gingen. bei meiner prüfung hatte ich die irrsinnige idee, ein gedicht ( Mietegäste der buche) riesig ausgedruckt an einen noch riesigeren selbstgeklöpelten papierbaum zu befestigen. das war auch richtig hübsch, blöd nur, dass ich im 8 monat schwanger war, etwa 20 kilo drauf hatte ( ich habe tatsächlich das rauchen eingestellt, damals) und dann in der stunde wie ein übergewichtiges etwas an der wand klebte und die papiergedichtstreifen nicht befestigt bekam (oh, das war übles deutsch, fürchte ich). da aber der schulrat schneider, der ausgerechnet zu mir in die prüfung kam, gerade opa geworden war, bekam ich unglaubliche 15 angeberpunkte.:) So viel zu meinen erinnerungen.
    frau freitag, ich habe selten so laut gelacht beim lesen eines buches. vielen dank Katrin B

    • fraufreitag Says:

      die stunde hätte ich gerne gesehen… und ja, ja, das haushuhn…im nachhinein ist es mir direkt ein wenig peinlich, was ich damals in den stunden für einen aufriss betrieben habe.

  5. Minty Says:

    Jaaa… so, da muss ich gleich mal meinen Senf dazugeben! Referendariat.. Hass.. ist grad mal ein halbes Jahr her… die Seminarleiter mit ihren überzogenen Vorstellungen und Anforderungen “Wie? Sie haben keine Fachzeitschrift abonniert??” (da man ja auch so viel Geld hat, als Referendar, in jedem Bereich jede Zeitschrift zu abonnieren..), und ihren “Traumstunden”, in denen jedes Kind auf seinem eigenen Weg etwas lernen soll und NIEMAND auf der Strecke bleibt.. und jetzt… stehe ich vor meiner Klasse und denke.. wie soll das noch gehen?? Dabei war sowieso klar: Wer Seminarleiter wird, kann mit Kindern nich umgehen und hat den Lehrerberuf satt… Ne… das war furchtbar im Referendariat.. und ich sage das, trotz wirklich guter Noten während des Refs (und einer nicht so guten Abschlussprüfung :-)). Ich habs gehasst. Von vorne bis hinten. Und mit der Gruppenarbeit haben Sie Recht. Manche 1,5Std. Seminare sahen nur so aus: Hier ist Ihr Thema, präsentieren Sie das gleich mal. Ende.
    Ich hab mich oft gefragt, ob Seminarleiter mehr Geld für ihr “Tun” kriegen.. oder ob es wirklich nur die Flucht aus der Schule ist. Ts. So. Das musste jetzt mal raus, vielen Dank Fr. Freitag :-).

  6. Neele Says:

    Schwierig, schwierig….

    Schreib doch wirklich über das Seminar und den nicht immer gelungen Inhalt und Ablauf!?!
    Wie oft waren unsere Seminarleiter nicht richtig vorbereitet oder haben es sich mit Gruppenarbeit wirklich einfach gemacht…

    Wenn ich an mein Referendariat zurückdenke, dann fallen mir als erstes jedenfalls die zig “Fehler” im Seminar ein, die dort ok waren, aber bei Unterrichtsbesuchen immer stark kritisiert wurden:
    “So, legen sie los!”
    Rückfrage an den Nachbartisch “Was genau sollen wir jetzt machen?”
    “Das haben wir auch nicht richtig verstanden!”
    – soviel zur klaren Fragestellung und Transparenz in unserem Pädagogikseminar. Kein Wunder, dass die extrem unterschiedlichen Gruppenergebnisse am Ende immer alle richtig waren. :D

    liebe Grüße,
    Neele

    • fraufreitag Says:

      an die seminare kann ich mich überhaupt nicht erinnern. an das was wir gemacht haben schon gar nicht. wahrscheinlich habe ich die ganze zeit nur mit frau dienstag gequatscht.

      • NordlichtImSüden Says:

        Ja genau so ists bei mir im Unterricht auch immer… ich stell eine intelligente Aufgabe, die Schüler hören nich zu, weil sie quatschen und hinterher heißt es, sie wissen nicht, was sie machen sollen- weil ich es nicht erklärt hätt.
        Vielleicht warn die Seminare gar nicht so schlecht?!

  7. Ref' Says:

    Vielleicht darüber, wie fertige Lehrer sich darüber aufregen, wenn Refs den Kopierer belegen, weil Refs doch ihre Kopien schon letzte Woche hätten machen können, wo die doch schon so wenig eigenen Unterricht haben.

  8. Penelope Bond Says:

    Wie wäre es mit den 10 Merkmalen guten Unterrichts nach Meyer…. 8′)

    • fraufreitag Says:

      hilbert meyer… der soll mal kommen und bei uns die klasse von herrn schwarz unterrichten und dann sprechen wir weiter. nur schlau rumquatschen und bücher schreiben kann ick ooch. :)

      • diereferendarin Says:

        Super lustig Frau Freitag! Da merkt man, dass du definitiv aus Berlin kommst, hier hassen sie wirklich alle den Meyer. In NRW ist der ganz groß!

  9. referendarin kurz vorm Schluss Says:

    hallo Frau Freitag,schön ,dass mal jemand auf die armen,armen Referate achtet.(was bin ich froh,dass ich fertig bin;-)).wie wäre es,wenn du schreibst wie schön es ist endlich da angekommen zu sein,wo man hin mochte-nach Vorlesungen und öder Theorie(an der Uni) endlich Praxis und Schule und Schüler und Lehrer.toll!vollkommenes GlücksGefühl stellt sich aber noch nicht ein,dafür steht mal als Referentin zu sehr unter Beobachtung.man muss den Schülern,seinen eigenen Ansprüchen,dem Anspruch der mentoren,des seminars und der Schulleitung gerecht werden.daran muss man sich gewöhnen.schafft man wohl erst nach der lPrüfung;-)
    aber sonst:coole Sache wenn man die eigenen fortschritte feststellt,die ersten klassenausflüge, Übernachtung in der schule-für Grundschüler das Größte;-),etc.
    Fazit:referendariat ist gut,aber noch besser ist,wenn es vorbei ist;-)

  10. aljonau Says:

    Ach ja, “ich bin kein Raucher, ich rauche nur manchmal.” :D
    Irrtum. Entweder ist man Raucher, oder man raucht garnicht. Punkt, aus, Basta. Maht ja auch nix, damit hebt man sich vom politisch-korrekten Idealbild ab und wird … blabla so in der Art.

    Vielleicht schreibst du darüber, wie du das Referendariat von deiner jetzigen position aus erlebst? Aus deiner jetzigen Perspektive, die die kleinen Referendare wie Ameisen beobachtet, welche sich mehr oder weniger fleißig mit einer riesigen Kokusnuss abmühen.

  11. Tine Says:

    Als Referendarin im zweiten Ausbildungsabschnitt fühle ich mich doch herausgefordert, hier meine Erfahrungen zu teilen: Das Ref fordert trotz relativ niedriger Stundenzahl (hier in BaWü zwischen 9-12h) an eigenverantwortlichem Unterricht ganz schön viel Vorbereitungszeit. Pro Unterrichtsstunde bereite ich mindestens dieselbe Zeit, im Schnitt die doppelte Zeit und bei manchen Stunden, wie in Englisch gerade in meiner Einheit zum Film “Hunger Games”, wo ich meine gesamten Materialien selbst erstelle, die drei- bis vierfache Zeit einer Unterrichtsstunde vor. Am Anfang des Jahres war auch die ganze Organisation rund um den selbstständigen Unterricht eine Herausforderung, das Führen von Schülerlisten, die Benotung, Elterngespräche, das Konzipieren und Korrigieren von Klassenarbeiten, in meinem zweiten Fach Kunst das Besorgen von Materialien… Größter Stressfaktor im Ref, so empfinden es meine Ref-KollegInnen und ich, ist allerdings die konstante, diffuse Bewertungssituation. Das ist gerade deshalb schwer, weil Unterrichten ja auch irgendwie sehr persönlich ist und man sich als ganze Person vor die Klasse stellt. Man hat das Gefühl, konstant unter Beobachtung durch KollegInnen und Schulleitung zu stehen und muss den Spagat schaffen, die eigenen Klassen auf Lehrprobenniveau (sowohl fachlich als auch vom Verhalten her) zu bringen, darf es sich mit den SchülerInnen aber auch nicht verscherzen… und muss, wie momentan hier im Süden, damit leben, dass es nach dem 2. Staatsexamen so gut wie keine Stellen geben wird, so man nicht Physik oder Mathematik unterrichtet. Je nach MentorIn erfährt man mehr oder weniger Unterstützung, mit dem Druck umgehen muss man allerdings selbst. Gerade ist Lehrprobenzeit hier unten und wir sind allesamt gerade im Ausnahmezustand: Eine gelungene Stunde ist ja ein Gesamtkunstwerk und wenn man gerade 3 Tage hat, die Prüfungslehrprobe vorzubereiten, die dann nachher maßgeblich die Note bestimmt, dann schlackern einem die Ohren. Mein Weinkonsum ist seit dem Ref-Beginn massiv angestiegen, und das geht ganz vielen von uns so: Ohne das abendtliche Glas Rotwein bekommt man das planende und reflektierende Lehrer-Ich abends kaum zur Ruhe. Mit schlackernden Ohren grüßt eine Ref aus dem Stuttgarter Raum ;)

    • fraufreitag Says:

      oh du arme…ja, diese vorbereitung – ich habe ja auch kunst und englisch und ich habe nie wieder so gründlich und aufwendig meinen unterricht vorbereitet. trotzdem verpuffte damals die eine oder andere stunde im chaos. heute zwar auch noch, aber wengistens verplempere ich nicht mehr so viel zeit mit der vorbereitung.

    • bambooos Says:

      Weinkonsum…hm, gute Idee für die Abschaltung abends :)

  12. Ina die Stille Says:

    Hallo Frau Freitag:

    Schau doch mal hier:

    http://referendariat-in-nrw.blogspot.de/

  13. countessvoncount Says:

    Der unangenehme Zustand im Lehrerzimmer! Wo setzt man sich hin? Alle haben einen festen Sitzplatz, nur man selbst nicht und alle gucken irgendwie komisch. Außerdem tun viele “Altlehrer” ganz gönnerhaft, klopfen dir auf die Schulter und sagen “Na das wirst du schon auch noch lernen”. Außerdem: Nächtelange Unterrichtsvorbereitungen und Angstzustände vor der Hospitation. Und ja, die Gruppenarbeiten und die Seminare kann man sich auch echt schenken. Aber: Jeder Tag macht Spaß, ist spannend und die Zeit als Referendar ein echtes Abenteuer mit allen Höhen und Tiefen.

  14. Goldelse Says:

    In welche Richtung soll der Artikel denn gehen? Investigativer Journalismus à la “Wir decken auf, wie schrecklich das Ref ist?” oder ein paar humoristische Zeilen? Ich bin meines Zeichens Referendarin in Berlin und finde, dass Sie das schon sehr schön umrissen haben mit den ständigen Unterrichtsbesuchen und “Was zauber ich denn da aus dem Hut?” und “Merkt der Seminarleiter, dass ich von dem Thema gar keine Ahnung habe?” und “Schüler, das Projekt zu dem alten Thema machen wir nächste Woche weiter, ich krieg jetzt erstmal Besuch und da muss ich was anderes zeigen.” Der Unterschied zu dem, was Sie geschildert haben, ist, dass wir heutzutage (zumindest in Berlin) i.d.R. keine anleitenden Lehrer (oder “Mentoren”, wie es so schön heißt, obwohl das Wort für mich immer den Anstrich von einem Psychoguru hat) mehr haben, was aber meiner Ansicht nach durchaus auch Vorteile hat. Ansonsten find ich das Ref in Berlin ganz prima, weil man ja 2 reine Seminartage hat, d.h., 2 Tage ohne Unterricht, also auch 2 Tage, zu denen man sich (meistens) nicht groß vorbereiten muss.

  15. Jörg Plewe Says:

    Als Von-Null-auf-100-in-0.0s Seiteneinsteiger kann ich nur sagen, dass man die Chance des Referendariats ausführlich würdigen sollte. Es muss entspannend sein, Lehren so behutsam lernen zu dürfen.

  16. KC Says:

    Vielleicht über die größten Fehler, die man, aus Sicht einer erfahrenen Lehrerin, als Refi machen kann? (Wenn man davon absieht, sich für diesen Beruf entschieden zu haben :D)

    • fraufreitag Says:

      das ist eine schöne idee, aber darüber habe ich schon geschrieben – mein erster unterrichtsbesuch – da habe ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann…

  17. Beatrix Says:

    Nimm einfach diesen Blog-Eintrag und schicke ihn hin…

  18. Sunny Says:

    Moin!
    Ich schreibe eher selten, aber das ist ein Thema, da muss ich ran. Quasi. Mein Ref ist noch nicht so lange her, aber es war sehr anstrengend und irgendwie schlimm! Vor allem die Aussicht auf die Arbeitslosigkeit “danach”. Tja, Grundschule ist eben total überlaufen. Genervt hat mich auch noch die “Ellenbogenmentalität” meiner Mitreferendare… und die Selbstherrlichkeit der Fachleiter. Zumindest der meisten. Mittlerweile habe ich selbst eine Referendarin und finds gar nicht so leicht. Hoffentlich bereite ich sie ausreichend gut auf das Lehrerleben vor und ermögliche ihr einen guten Start (mit Job!)…
    VlG

  19. maryizzy Says:

    Liebe Frau Freitag, ich fange im Mai mein Ref an und habe einige Freunde, die bereits mitten drin stecken/ gerade fertig geworden sind. Die mosern immer über viel zu viele Lehrproben in zu kurzer Zeit und die Kritik an eben diesen, die so mal gar nicht hilft. Und über Prüfungsstress am Ende, mit allen Prüfungen an einem Tag. Also eigentlicher eher über das System an sich und weniger über persönliche Ängste. Wobei sie die sicher auch hatten.

  20. Andrea Says:

    Vielleicht darüber, dass die Schüler bei einem Unterrichtsbesuch immer extra mitmachen und sich anstrengen und sich am laufenden Band melden, auch wenn sie von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Also meisten machen sie extra doll mit…”Duuuu, Fr. Z.? Soll ich nen Jacket anziehen, wenn die morgen alle kommen?” So ist´s z.B. einer Kollegin geschehen…

    • fraufreitag Says:

      ja, das haben meine klassen damals auch gemacht – wenigstens etwas.

    • Frau Zeitlos Says:

      Das haben wir als Klasse auch immer gemacht. Einzige Ausnahme war die Englisch-Referendarin, die ums Verrecken keine verständlichen Fragen stellen konnte. Nach mehreren Wochen hat unser kompletter, sehr netter LK aufgegeben und nicht mehr geantwortet. Die Arme flüchtete tatsächlich zurück an die Uni, um dort ihren Doktor zu machen.

  21. lolomie Says:

    Frau Freitag schreiben Sie etwas Mut machendes. Ich finde es so deprimierend, dass man von erfahrenen Kollegen oft Sachen hört in der Art:”Also den Lehrerberuf würde ich nicht weiter empfehlen oder Lehrer heute wollte ich ja nicht mehr sein,” etc. Ich bin noch Studentin und würde gerne mal hören, dass es auch Lehrer gibt, die ihren Beruf lieben, statt immer nur Gemecker und Frustration. Vll. könnten Sie schreiben, warum Sie Lehrerin wurden und was Sie an dem Beruf so mögen? Liebe Grüße, Lolomie

    • fraufreitag Says:

      da habe ich doch schon zwei bücher drüber geschrieben… aber okay, ich behalte es im hinterkopf – nur – das referendariat habe ich nicht immer geliebt.

    • Mars Says:

      @lolomie
      Man lebt nicht nur, aber auch, für den Moment, wenn Shania-Tiffany in der letzten Reihe der Hauptschulklasse 9 ungläubig sagt: “Jetzt habe ich den Unterschied zwischen Muslimen und Islamisten verstanden” und es dann tatsächlich ihrem Nachbarn erklären kann.
      Wenn Philipp nach der Stunde kommt und sagt: “Heute wars aber cool!” obwohl dreiviertel der Stunde Lehrervortrag war, weil die ursprüngliche Planung am vergessenen Vorwissen von letzter Woche scheiterte.
      Wenn der Drucker nach zwei Stunden mühevoller Arbeit die korrekten Zeugnisse auf blütenweißes Papier druckt und man endlich, endlich einmal das Gefühl hat, FERTIG zu sein.
      Wenn man vor seiner Klasse steht und man merkt, wie sehr man diese pubertierenden Monster liebt.
      Wenn man eine E-Mail bekommt von einem Schüler, der vor 8 Jahren den Abschluss gemacht hat, der sich bedankt und die Geburt seiner Tochter mitteilt.

      Wenn ich noch länger nachdenke, fällt mir noch viel mehr ein.

      Ich liebe meinen Beruf, weiß aber, dass er nicht für jedermann geeignet ist.

      Lass dich nicht entmutigen – finde deine Momente!

      • LaMaestra Says:

        Tolle Antwort @Mars! :-) Genauso ist es, es gibt viele solcher wirklich guter Momente, aber eben so viele oder noch mehr frustierende, so dass man die Guten oft nicht so präsent hat. Eigentlich sollte man sich öfter hinsetzen und so eine Liste schreiben.
        Anderseits ist es eben wichtig sich den Frust von der Seele zu reden. Das tun Leute im Büro oder im Krankenhaus genauso, aber bei Lehrern wird es eben oft gesellschaftlich wenig akzeptiert. Schließlich sind es die Kinder und Enkel, Brüder und Schwestern usw. der Leute, die wir unterrichten und dafür auch noch zu viel Geld bekommen und zu viel Freizeit haben. ;-)
        Im Grunde ist es ähnlich wie als Eltern, wir liebe unsere Kinder, aber sie zerren eben auch ganz schön an den Nerven!
        Aber frag mal ein Elternteil, wie er so 3 Stunden Kindergeburtstag empfindet ;-)
        Ich liebe meinen Beruf trotzdem, weil ich einfach gerne mit jungen Leuten zu tun habe. Das hält jung! Und wie es in den Wald reinschalt…

  22. yolk Says:

    DIE Gelegenheit für mich, nach einem frustrationsreichen Tag mal einfach sinnfrei zu schreiben, wie das bei mir so abläuft – dank Schulchaos wurde ich insgesamt genau 1mal von meinem Schulleiter besucht, meine beiden Mentoren haben mich je 3mal gesehen. Schulkunde kam so gut wie nie zu stande. Ansonsten: Hospitieren ging im ersten Halbjahr praktisch nicht, weil immer alles ausgefallen ist, dafür durfte ich gleich mal 5 Klassen eigenständig übernehmen (zB Fachenglisch ohne Lehrbuch). Im zweiten Abschnitt dann 11 Stunden eigenständiger Unterricht (noch nie gesehen, wie sowas in der Oberstufe abzulaufen hat) bei zwei Tagen die Woche Seminar mit 2,5 Stunden Anfahrtsweg. Dann mit 5 Stunden die Woche in die absolute Nemesis-Klasse abkommandiert, die selbst gestandene BVJ-Lehrer wieder abgeben wollen. Dass die Schüler mich mögen und sie bei mir immerhin nicht ganz so durchdrehen, wie bei anderen, wird von den Fachlehrern gesehen, kommt aber nicht bis zur Schulleitung durch. Vor ein paar Wochen kam raus, dass mein Mentor (den ich seit Wochen nicht mehr gesehen habe) der Ansicht war, dass ich doch seit dem Sommer aus dem Ref raus sei. Letzte Woche erste Lehrprobe – trotz Absprache war niemand da um die Prüfer zu empfangen, weswegen ich – statt mich und das Klassenzimmer vorzubereiten – Kaffe kochen und fremde Menschen betütteln durfte. Bin mir immer noch nicht sicher, ob sich jemand für das Resultat interessiert. Heute kam raus, dass ich eigentlich nur die halbe Berufsschulklasse unterrichten sollte (hat irgendwer vergessen, mir und den Schülern zu sagen) und ich seit nem halben Jahr völlig umsonst am Spagat zwischen zwei völlig unterschiedlichen Lehrplänen verzweifel. Immerhin habe ich das Glück, viele nette Kollegen und vor allem Schüler zu haben, auch wenn die Schulleitung mich anscheinend kaum kennt (und somit wohl auch nicht im nächsten Jahr einstellen wird).
    Was ansonsten zum Ref allgemein zu sagen bleibt: Willkür an allen Ecken und Enden, Druck, Verbraten-Werden zu Überstunden noch und nöcher, künstliches Aufputschen und ständiger Psychobelastungstest, man kennt es ja… Was ich de facto zu leisten habe, finde ich gar nicht so wild, und ich glaube, ich mache das auch gar nicht so schlecht, aber dieses künstliche Hochputschen und Sich-Darstellen-Müssen ist einfach unglaublich zehrend. Zitat Seminar zu Beginn: Sie sehen ja, wie viele sie sind, also: Ellenbogen raus… und zum Schluß mein Lieblingswort: METHODENFEUERWERK…
    Sorry, ist lang, mußte raus.

    • fraufreitag Says:

      oh, da werden erinnerungen wach… ich bewundere dich. falls es hilft – es wird nie wieder so schlimm-auch nicht mit einer vollen stelle. und mehr geld gibt es später auch.

  23. zweikommazwei Says:

    Da müsste doch Frau Krach am besten Bescheid wissen, oder?
    http://www.lottamachtkrach.wordpress.com ;-)

  24. frlkrise Says:

    …soll ich mal en paar Storys von der Ref. Freitag posten? Ach, nee…so fies bin ich nich!
    Mein eigenes Referendariat = schlimmste Zeit ever!

  25. lemmi Says:

    Das Schlimmste fand ich, dass ich dauerhaft das Gefühl hatte Seminarleiterin und Hauptseminarleiter sind unglaublich darauf aus Fehler bei mir bzw meinem Unterricht zu entdecken.
    Wenn mal keine da waren, dann konnte man immer noch welche erfinden.
    Das Gefühl dass sie mich unterstützen und zu einem guten Lehrer machen wollten, das Gefühl hatte ich nicht…

  26. Bonito Says:

    Oh Mann…nach dem interessierten Lesen der Kommentare bin ich noch tausendmal froher,dass mein Ref. schon einige Jahre vorbei ist!
    Falls der Artikel noch ansteht: ich glaube,Leser (die zwar natürlich alle Ahnung von Schule haben aber wahrscheinlich gar nicht wissen,dass Lehrer tatsächlich ausgebildet werden)interessiert -oder schockiert-wohl der himmelweite Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit! Also Seminar und Schule!
    Erinnere mich an meinen Hauptseminarleiter,der tatsächlich 2!!!Jahre als Lehrer gearbeitet hat,bevor er ans Seminar geflohen ist.Aber der Mann war schlau und hatte Ahnung…boah! Im Handwerk wird doch auch keiner quasi direkt nach Ausbildung selbst Ausbilder.Meister sollten irgendwie doch Erfahrung haben.???
    Da musste man im Ref.dann eben Gruppenarbeit mit Hauptschülern machen,die Unterricht wenn dann grundsätzlich ohne Material (auch ohne Tasche)besuchen,eigentlich nur mit dem Kopf auf dem Tisch liegen,wichtige Privatgespräche (“ey er so… Und dann ich so…”) führen müssen,wahlweise ihr Handy oder sich selbst vorm Spiegel bewundern müssen und keinen Peil haben,was für ein Fach eigentlich grade unterrichtet wird geschweige denn,welches Thema.oder fishbowl mit ADHS-Kindern,die ihre Pillen nicht nehmen,oder Placemap mit Lernbehinderten (sind ja integrativ und überhaupt,Inklusion ist der burner) oder kreatives Schreiben mit erziehungsschwierigen!yeah!
    Es müsste-auch bei angehenden Referendaren mal ankommen,dass keiner,auch nicht Hr.H.Meyer oder diverse Bildungsministerinnen in der Lage sind,Schüler,die heute zum Großteil gar nicht beschulbar bzw.schulfähig sind,mit einem Methodenfeuerwerk zu unterrichten!das kollidiert schon alleine mit dem Feuerwerk der psychischen Störungen in diversen Schülerköpfen.leider! Dann wären nämlich die Ansprüche,vor allem die eigenen,etwas runtergeschraubt und so manch Referendar wird nicht zum Fast-Alkoholiker!Ein erster Schritt ist in NRW immerhin das Eignungspraktikum,dass Abiturienten machen müssen,bevor sie auf Lehramt studieren dürfen.Das ist nichts anderes als ein Psycho-bzw Belastungstest!
    So,ihr seht

    • Bonito Says:

      ich habe tolle Erinnerungen ans Ref! Aber um nicht verbittert zu wirken-es wurde ja besser!Ok,die Justins und Kevins und Samanthas werden nicht besser,aber als fertiger Lehrer kann ich sie endlich wirklich da abholen,wo sie stehen-z.b. am Bahnhof oder aus dem Bett zu Hause.Das ist schon ein Erfolgserlebnis,wenn man Achtklässlern endlich den Unterschied zwischen Buchstaben und Wörtern verständlich machen kann!
      Und definitiv spart man sich diesen ganzen Vorbereitungs-Marathon!

    • wuselwoof Says:

      Man kann mit dieser Interpunktion Lehrkraft werden? Unfassbar!

  27. PurplePink Says:

    Mein Ref ist jetzt genau ein Jahr vorbei und ich kann den meisten meiner Vorgänger hier nur beipflichten. Das war eine echt besch*** Zeit. Am schlimmsten fand ich auch den aufgebauten Druck. Im Lehrerzimmer wurden wir ständig von den AKOs beobachtet und man musste aufpassen, ja nichts falsches zu sagen (bin immer noch an der gleichen Schule, mit meiner ehem. AKO verstehe ich mich sehr gut und sie hat mir seit dem einiges erzählt). Aus dem Seminar kamen Sprüche wie “Der Besuch war schon sehr gut, aber eine ihrer Konkurrentinnen war gestern noch ein kleines bisschen besser, es wird schwer für Sie” (bezog sich auf das Mangelfach Mathematik). Mein Hauptseminarleiter war ein reiner Gesellschaftswissenschaftler, hatte aber an Matheunterricht in der Oberstufe grundsätzlich den Anspruch, dass er mindestens die ersten 10 Minuten des Unterrichts (auch im 13er LK) auf jeden Fall fachlich komplett verstehen musste, war das nicht so, war aus seiner sicht der Unterricht schlecht.
    Ganz toll war auch Leitfragenentwicklung, Das musste ich in Mathe zum Glück nicht machen, im anderen Fach schon. Die Hauptseminarleiter hatten sich irgenwann mal überlegt, dass sie auch mal Leitfragenentwicklung machen sollten. Bei meinem HSL lief das wie folgt ab:
    HSL: Guten morgen und herzlich willkommen zur Sitzung über Umgang mit Heterogenität.
    Refs: Guten morgen.
    HSL: An ihren Schulen sind viele verschiedene Schüler. Welche Fragen sollten wir uns also heute stellen?
    Ref: Wie geht man mit Heterogenität um.
    HSL: Genau. Ich weiß gar nicht, warum Sie sich immer über die Leitfragenentwicklung beschweren.

  28. Fräulein Müller- Meier- Schulze Says:

    Die Qualität des Refs hängt meiner Meinung nach nur von den Mentoren und Fachseminarleitern ab bzw. wie realitätsnah diese sind. Sind diese Personen denn überhaupt einer Meinung oder unterscheiden die sich in ihren Ansichten grundsätzlich? Mein Ref habe ich in einem Problembezirk mit sehr schwierigen pubertierenden Schülern gemacht, die teilweise seit der 4. Klasse nur noch aufgerückt sind und meine Fachseminarleiterin kam von einem Elitegymnasium, die überwiegend Leistungskurse unterrichtete. Sie war der Meinung meine Planung ist falsch, sonst hätten auch alle Schüler “in dieser Stunde fürs Leben Gelernt”. Die andere war eine Grundschullehrerin, die von uns verlangte die Unterrichtsentwürfe zu basteln, was der Hauptseminarleiter wiederum verboten hat. Und diese Vorbereitungen, mindestens zehn Seiten á la warum diese Frage in der 23. Minute? Dadurch hält man sich an Banalitäten auf und die Zeit fehlt für eine vernünftige Stundenplanung. In Fächern wie Kunst sieht man die Schüler dazu sooo selten, dass man keine Beziehung aufbauen kann, was unterrichten nahezu unmöglich macht. Außerdem schwankt man, durch die Tipps der Seminarleiter, in seinem Stil hin und her und wird dadurch unglaubwürdig in den Schüleraugen. Nach dem Ref konnte ich erst anfangen auszuprobieren was geht und was nicht und inzwischen komme ich mit den meisten Klassen gut bis sehr gut zurecht.
    Ich habe (wie schon einmal geschrieben) Ihr Buch im Ref entdeckt und nach ca. einem Jahr erstmals wieder gelacht. Ich finde Sie haben in Ihrem ersten Buch das Referendariat eingangs perfekt beschrieben.

  29. Frau Donnerstag Says:

    Meine Lehramtsanwartschaft (das ist ein Niveau weniger als wie Gymnasium) hat mir sehr viel Freude bereitet -warum?- meine Mentorin hat im Frau-Freitag-Stil mit mir gearbeitet und das war das Beste, was mir passieren konnte!

    Der Lehrerberuf ist eine unglaublich unterhaltsame, saukomische, abwechslungsreiche, dramatische und nervenzerfetzende Angelegenheit und es braucht Mentoren mit Rock’n’Roll und Whisey im Blut, die einem genau das vermitteln können.

    Was es nicht braucht sind hölzerne Seminarleiter und Fachzeitschriften-Abos oder das Überhäufen mit Material-Kopien für Stationsbetriebe aus den 80ern.

    Ich stecke in meinem ersten Berufsjahr (Vollzeit, Klassenleiter, Abschlussklasse, Elternabende, Kopiergerät-Erklärer, diverse jungkollegenmotivierte Einsätze) und es geht mir blendend!

    And when you`re done burning, you should leave the stage.

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