Archive for Oktober 2012

Vielleicht die Ernährung umstellen?

Oktober 31, 2012

Ich habe einen Kaufkater. Brauche ich wirklich so teure Töpfe? Und vor allem, brauche ich wirklich vier teure Töpfe? Der Freund sagt: “Ja.” Ich bin mir nicht mehr so sicher. Haben wir doch auch ohne teure Töpfe sehr gut gelebt.

Nur, weil ich mir in meinem Leben noch nie einen Topf gekauft habe, heißt das doch noch lange nicht, dass ich mir dann gleich die Besten gönnen muss. Ich habe mir auch noch nie einen Bürostuhl gekauft oder einen vernünftigen Schreibtisch. Ich habe ja noch nicht mal eine Übergangsjacke. Morgen wird es wieder wärmer. Was ziehe ich da an?

Kaufkater! Den bekomme ich oft, wenn ich mir etwas Teures geleistet habe. Ein schlechtes Gewissen stellt sich ein. Da nützen auch keine Häppy Socks. Außerdem habe ich Blähungen. Die kommen garantiert auch von den Töpfen. Diese Blähungen machen mich verrückt. Heute morgen dachte mein Freund, das wäre mein Händy. Yeah, ich kann Klingeltöne pupsen, ist doch auch was.

Ist nicht die Entscheidung, sich die besten Töpfe zu kaufen, die Karstadt hat, der erste Weg in ein konsumgesteuertes Leben? Was kommt denn dann? Ergonomischer Bürostuhl, Übergangsjacke, Gewürzregal und am Ende der Rucksack? Bin ich kurz davor die FDP zu wählen? Heute bin ich definitiv ein fragendes Ich. Gestern HAPPY – heute verwirrt und verkatert und gebläht. Jetzt kommt der Deutschlehrer. Erst mal Kaffe trinken und mich für die tollen Töpfe bewundern lassen.

So, jetzt ist er wieder weg. Gab nur mäßige Bewunderung. Der freund ist einkaufen – kann ich also unbeschwert in der Küche rumpupsen. Samiras Bruder, den ich vor Jahren mal in meiner Klasse hatte, der war ziemlich dick und der hatte auch ständig Blähungen. Mit denen hat er uns so manche Unterrichtsstunde versüßt. Kommentar der Physiklehrerin: “Ozan setzt seine Pupse als Waffe gegen seine Mitschüler ein.”

Ein pupsender Schüler ist noch schlimmer als eine Biene im Klassenraum. Eins ist mal klar – Flatulation verhindert das Erreichen des Stundenziels. Aber hier in der Küche… kein Problem.

Happy Socks

Oktober 30, 2012

Ja, ich habe in meinen neuen Töpfen Silikon in den Deckeln, andere haben Silikon in den… na, ihr wisst schon.

Heute morgen war es total kalt, als ich losgegangen bin – nur 2 Grad. Aber ich war gut drauf, denn heute trage ich meine Happy Socks. Die heißen wirklich so und die sind lila und haben weiße und hellblaue Kreise drauf. Da muss man einfach gute Laune bekommen. Und die hatte ich dann auch den ganzen Tag. Auffällig gut gelaunt war ich.

“Frau Freitag, was ist mit dir, du freust dich ja so.” begrüßt mich Anita im Lehrerzimmer. Andere Kollegen mustern mich. Ich bin ihnen suspekt. “Ja, ich freue mich. Ich freue mich, dass ich arbeiten darf.” Einige Kollegen kichern, weil sie denken, das wäre ironisch gemeint. War es aber nicht. Die Happy Socks machen einen einfach zufrieden. Aber ich konnte ja nicht im Lehrerzimmer erzählen, dass das an meinen bunten Strümpfen liegt. Und so ließ ich mich fröhlich durch den Tag treiben. Freundlich unterrichtete ich ein paar Stunden dies und das. Immer zugewand, emphatisch und zuversichtlich. Meine Happy Socks Stimmung färbte dann auch auf die Schüler ab. Sie arbeiteten gut mit und ich sparte auch nicht mit Lob. In den Pausen schlenderte ich lächelnd durchs Schulgebäude und über den Hof und gab jedem mir entgegenkommenden Schüler einen lustigen Spruch mit.

Und auch, als ich 7 Minuten auf die U-Bahn warten musste, verdüsterte sich mein Gemütszustand nicht. Natürlich war der Zug dann dementsprechend voll. Darüber freute ich mich. Endlich mal wieder die Nähe meiner Mitmenschen spüren und wer sagt denn, dass man in der U-Bahn immer sitzen muss. Stehen fetzt doch eigentlich viel mehr.

Und zu Hause gab es dann die Reste von gestern. Das Essen war ja schon gestern total lecker. Aber heute schmeckte es sogar noch besser.

Das einzige was mir Sorgen macht ist Sandy – der Sturm in den USA. Ist eben so eine Sache mit der Empathie – haste se nich, juckt dich auch nüscht, haste se – dann musste dich emotional auch um alles kümmern.

Nachtrag zu den Töpfen

Oktober 30, 2012

Also, die wurden gestern in Betrieb genommen und …. der Freund sagt geht super. Geht voll schnell und vor allem die sind total leise. man hört nüscht! Sonst war das da immer ein Geklapper und Geschepper auf dem Herd, als wollten uns die Töpfe sagen: “Guckt, guckt, wie hart wir arbeiten müssen, dabei sind wir doch schon sooo alt.”

Und das Essen: Mit guten Töpfen und Liebe gekocht – besser geht es nicht!

Teuer fetzt

Oktober 29, 2012

Auf dem Nachhauseweg zieht es mich zu Karstadt. Ich will mal wieder meine Bücher besuchen und Frl. Krises Buch hallo sagen. Aber – ich finde nüscht und habe dann auch keine Lust zu suchen und schon gar nicht zu fragen. Auch wenn mich niemand kennt – also niemand weiß, wie ich aussehe, würde ich nicht im Traum drauf kommen in einem Laden nach meinen eigenen Büchern zu fragen. Wäre mir einfach vor mir selbst peinlich. Ich schreibe mir ja auch keine eigenen Rezensionen bei Amazon.

Jedenfalls schlendere ich so durch Karstadt und gucke mir die Cahsmere Pullis an – waren irgendwie auch schon mal schöner die Teile, da ertönt eine Lautsprecherstimme: “Auf alle Töpfe heute 20% Rabatt.” Und wie hypnotisiert zieht es mich in die Topfabteilung.

Unsere Töpfe zu Hause sind eine Schande. Ich habe mir in meinem Leben noch nie einen Topf gekauft. Mit manchen Töpfen, in denen mir mein Abendessen gekocht wird, bin ich sogar aufgewachsen. Ich glaube mehre Töpfe, die bei uns zu Hause in Betrieb sind, sind bereits älter als ich und ich bin ja auch nicht mehr taufrisch. Also denke ich mir: Ich werde nun den ersten Topf meines Lebens kaufen. Und das soll ein guter Topf sein!

Ein findiger Fachverkäufer kommt auf mich zu und fragt, ob er mir helfen kann. Und ja – diesmal kann man mir helfen. Ich erwarte und bekomme eine ausführliche Beratung. Wir stehen vor den “Angeboten”. Er erläutert mir jeden einzelnen Topf. Es sind Sets, mit je vier oder fünf Töpfen und ein Set hat sogar noch eine Pfanne dabei. Aber die Griffe sind so dünn und sehen aus, als würden sie total heiß werden. So ein Topfset soll 140 Euro kosten. Und da sind die 20% schon abgezogen. Aber braucht man wirklich den kleinen Topf? Ja, für Mais, denke ich. 140 Öcken ist ja nun nicht wenig viel Geld. Aber ich brauche vielleicht nur einen Topf und frage den Verkäufer deshalb nach Einzelstücken. Er holt einen Taschenrechner und errechnet, dass man schon bei zwei einzelnen über dem Setpreis liegt. Hätte ich mir denken können.

“Was sind denn die besten Töpfe, die Sie haben?” frage ich plötzlich und bin von meiner Frage selbst überrascht, denn ich lebe eigentlich schon seit Jahrzehnten nach dem Motto: Billig geht auch. Aber dann fällt mir ein Satz von meinem Freund ein: “Dinge, die du oft benutzt sollen gut sein. Und mein Mallehrer hat immer gesagt: “Don’t fight your material.” (ich habe kurz mal in America studiert – der sprach immer Englisch). Jedenfalls stimmt das irgendwie – wenn man etwas oft benutzt, dann kann das ruhig qualitativ hochwertig sein. Lange Rede-kurzer Sinn ich habe die teuersten, besten und schicksten Töpfe gekauft, die Karstadt zu bieten hat. Und die stehen jetzt auf dem Herd und sehen super aus.
Und vielleicht wird heute Abend ja schon dadrin gekocht. Ach, das Leben kann so schön sein.

Fräulein Krise hat Baby bekommen!

Oktober 26, 2012

HAPPY BIRTHDAY TO YOU, HAPPY BIRTHDAY TO YOU, HAPPY BIRTHDAY LIEBE GHETTO OMA, HAPPY BIRTHDAY TO YOU!!!!
JAAAAAA, endlich ist es da! Das erste Buch von Fräulein Krise! “Ghetto Oma – Ein Leben mit dem Rücken zur Tafel” – so heißt es und erschienen ist es bei Rowohlt. Super, super, super!!!

Lange hat sie daran gearbeitet und sogar extra noch tausende von neuen Geschichten geschrieben. Sie hat sich echt voll Mühe gegeben. Nicht so wie ich, einfach nur die Texte aus dem Blog nehmen und zusammenklatschen – fertig. Nein, sie meinte mir: “Ich muss doch meinen Lesern noch mehr bieten!” Der Verlag meinte ihr: “Nee, brauchen Sie nicht!” Und sie dann aber: “DOCH! Das will ich aber! Ich werde noch gaaaanz viele Geschichten schreiben, wie es früher war. Schließlich bin ich seit 40 Jahren im Schuldienst.”

Und so schrieb und schrieb sie. Und rausgekommen sind voll die witzigen Storys: Wie sie Manta gefahren ist und wie sie Matritzen genuddelt hat und wie sie eine Lovestory mit einem Schüler hatte. Und die Blogstorys hat sie ja auch noch mal überarbeitet. Die sind jetzt alle noch geiler. Mit Ömür und Emre und Fuat und wie sie alle heißen.

Also, ihr sehr schon, ich finde das Buch übertrieben gut. Und ich bin sicher, euch gefällt es auch. Ich komme auch drin vor. Voll da, wo wir zusammen mit den Kopftüchern unterwegs waren. Hat sie aber aus ihrer Perspektive geschrieben. Kann man also voll parallel lesen. Meins aus meiner Sicht und dann ihres aus ihrer Sicht. Schlau, wa? Und ist auch übertrieben billig das Buch. Kostet noch nicht mal 10 Euros und dafür aber total fett. Voll über 300 Seiten. Und das beste – mit jedem Buch stärkt ihr die innere Sicherheit Deutschlands, weil Frl. Krise ihre Tantieme in Zigaretten investieren wird und da gehen dann wieder die Steuern ab. Und die gehen in die innere Sicherheit. Also Buch kaufen und dann gibt es auch keine Terroranschläge.

… kaufen, lesen und dann könnt ihr mir gerne berichten, wie ihr das fandet. Viel Spaß!

PS: Kann mir eigentlich jemand sagen, wie ich ein Bild vom Cover einfügen kann? Will und würde ich nämlich.

So einiges

Oktober 25, 2012

“Hast du meine Liste gesehen?”, frage ich den Deutschlehrer am Telefon.
“Welche Liste?”
“Na, auf meinem Blog. Dinge die fetzen.”
Nein, hat er noch nicht gesehen. Aber er begibt sich virtuell dorthin und liest, während wir telefonieren. Das mag ich gar nicht. Wenn ich nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit bekomme.
Dann sagt er: “Ich habe neulich gelesen, dass Listen erstellen ein Zeichen von Intelligenz ist.” Darüber freue ich mich. Listen habe ich schon immer erstellt. Schon als Kind. Ich liebe Listen. Mein Leben wird durch unzählige To-Do-Listen gestaltet. Der Trick dabei ist, immer was drauf zu schreiben, was man schon erledigt hat, dann ist da nicht so ein unerledigter Berg vor einem.

Heute mal die Liste mit Sachen die ich nicht mag:

-keine Übergangsjacke haben
-Serienpausen im Sommer
-Sat1 Frühstücksfernsehen. (Das mag ich wirklich überhaupt nicht. Dieser Blonde Typ ist immer so unfreundlich und als der Dunkelhaarige dazukam, da hat der sich immer so vor die Frauen gedrängt. Die Frauen gehen ja noch, aber diese beiden Backpfeifengesichter… die fühlen sich einfach zu toll. Nun könnte man sagen, dann guck das doch nicht, wenn du das nicht magst. Tja, geht aber nicht. Ich MUSS das gucken. Leider. Ich versuche ja auch immer zwischen ARD und SAT1 hin- und herzuschalten, nützt aber nichts. Dadurch wird es auch nicht besser. Ganz schlimm sind die Gewinnspiele bei denen. Da schalte ich sofort weg. Und das Wetter wird auch immer schlechter.
Der Oberhohn war ja, dass mich mein Verlag dorthin schicken wollte. “WAAAAASSSS zum Frühstücksfernsehen???? Nieeeemals gehe ich dorthin!!!”, habe ich denen entsetzt geantwortet. “Was? Sie gucken das???”, fragten mich die Frauen von der Presseabteilung. “Jaaa, deshalb kann ich Ihnen auch nur sagen wie scheiße das ist. Da kann man nicht gewinnen.”
“Aber Sie würden sehr viel mehr Bücher verkaufen!” meinten die dann.
“Das ist mir egal. Frühstücksfernsehen kommt mir nicht in die Tüte.” Irgendwo ist ja wohl auch mal eine Grenze. Und meine läuft morgens auf SAT1.)

Gestern lief im Fernsehen etwas über Mutisten. Leute die nicht reden. “Kann dir nicht passieren.” meinte mein Freund. Sehr freundlich. “Neee, wa, ich gehöre eher zu den Laberisten. Aber ich würde gerne an einer Schule mit Mutisten unterrichten. Ich laber und die schweigen. Das würde mir gefallen. Mein Leben wäre dann so einfach. Ich würde denen auch gute Noten geben und viele schriftliche Aufgaben. Man könnte wahrscheinlich auch viel am Computer arbeiten. So Power Point und so. Kreisgespräche und Kugellager und der ganze Schnulli fiele natürlich weg. Ja, an so einer Schule möchte ich sein. und vielleicht sagt der ein oder die andere irgendwann doch etwas. Vielleicht: “Sei mal endlich leise.”

Dinge die fetzen

Oktober 24, 2012

Die Krise ist verletzt! Am Knie. Und wie sagt man: Knie heilt nie! Mist, die Arme. Was macht sie auch? Läuft in der Schule die Treppe rauf… Vielleicht war es das jetzt mit ihrer beruflichen Karriere… vielleicht war neulich ihr letzter Arbeitstag und jetzt kann sie bis März mit Knieheilung verbringen…

Was macht der Freund da eigentlich – er baut den Kühlschrank auseinander. Warum? Ah, da liegt schon das grüne Schwammtuch – ich glaube er will putzen. Den Kühlschrank putzen. Würde ich im Leben nicht drauf kommen. Als wir uns kennenlernten, habe ich ihn dabei erwischt, wie er Möbel geputzt hat – habe ich noch nie gemacht. Schweigend habe ich mich damals gewundert. Mein Freund und das Schwammtuch – er nimmt das Schwammtuch auch mit in den Urlaub, weil es selbst in Schweden keine so guten Putzlappen gäbe – sagt er. Überhaupt kann er lange Vorträge über Schwammtücher halten. Ich über Filterkaffee. Ich verreise immer mit 500g Feine Milde von Tschibo. Irgendwas stinkt hier. Bin ich das? Mein freund pfeift, während er putzt. Komisch.
Ihm sein Schwammtuch und mir meine Feine Milde. So hat jeder was. Feine Milde – trinke ich nun schon seit Jahrzehnten – man sollte meinen, dass diese Milde nun mal langsam auf mein Wesen abfärbt. Tut sie aber nicht. Ich glaube die wenigsten würde in mir: Die feine Milde sehen. Eher schon die gemeine Wilde.

Aber Feine Milde bereichert mein Leben. Es gibt überhaupt so einige Dinge, die mein Leben schöner machen. Da wären z.B.
Pepe Zigaretten (die dunkelgrünen)
Nuts
Das Rezept von Jamie Oliver mit dem Gemüse im Ofen und dem Rosmarin und Zitrone usw.
Dexter – die neuen Folgen – allerdings fetzt nicht, dass seine Schwester jetzt Bescheid weiß
Meine Hosen von ATO (nicht teuer aber super)
Pflegedusche von Palmolive (mandel)
Elmex (fetzt voll)
Wolle von Austermann (mit Jojoba Öl und Aloha Vera)
rote Big Feuerzeuge (die großen)
die großen weißen Kaffeetassen (die wir haben)
Stabilofilzstifte (die dicken)
Bio Linda Kartoffeln
die mit Liebe geschmierten Schulbrote
meine Couch
mein Mac
die Erfindung des Telefons

Ach, es gibt so viele schöne Dinge. Ich bin so froh, dass ich die alle in meinem Leben haben kann. Macht mich regelrecht glücklich. Mehr brauche ich eigentlich nicht. Falls in der Schule weiterhin so wenig passiert, dann kommt morgen mal die Liste mit Dingen, ohne die ich auch gut leben könnte, oder die, die mein Leben maßgeblich verschlechtern.

Hauptsache die Sonne scheint

Oktober 19, 2012

Wooooochenende!!!!!Yeah, wieder eine Woche näher an der Rente. Oder dieser, … wie heißt sie noch…? Altersarmut.

Und was ist das da draußen? Sonne und blauer Himmel, voll Sommer. Aber im Schatten – doch nicht so warm. Jetzt scheint mir die Sonne in den Rücken. Der Kaffee steht neben mir und der Aschenbecher auch. Kann es etwas Schöneres geben als ditte? Mir fällt nix ein.

Doch – gerade ruft Frl. Krise an und will vorbeikommen. Noch schöner! Frl. Krise ist voll faul. Hat gestern gar nicht geschrieben. Der Bloggott ist schon böse mit sie. Eigentlich ist sie voll der Blogstreber. Immer schreibt sie. Ich schwänze ja schon hier und da mal. Aber sie…

Heute im Treppenhaus dachte ich noch: Hmm, nachher Ethik in dieser achten Klasse … na, da werd’ ich mal voll aktuell sein und diesen Facebookmobbing-mit Selbstmord-Fall durchnehmen. Extra dafür kaufte ich mir dann also eine Tageszeitung, weil heute war das ja noch im Fernsehen und deshalb vermutete ich die Story heute in der Presse. Aber – nö. War nicht. Und so ganz ohne Material wollte ich mich dem dann auch nicht aussetzen und habe deshalb nur eine zähe Stunde zu Stars und Vorbildern gemacht. Eigentlich nur zu Stars und so richtig kam dabei auch nichts rüber. Nach dem Sinn dieser Stunde hat zum Glück keiner gefragt. Ich denke mal der Sinn war: Stunde halten. Kinder vom Unsinnmachen auf der Straße abhalten und das habe ich ja auch getan.

Irgendwann hat es dann ja auch geklingelt. Irgendwann klingelt es immer. Meistens zu spät. Wenn es klingelt, dann ist immer alles vergessen. Wie wenn der Zahnarzt sagt: “So fertig!” Ich liebe dieses Klingeln. Ich finde mein ganzer Tag sollte durch Klingeln unterteilt sein. Morgens- nach dem Aufstehen – Essen, rauchen, Duschen, dann Klingeln. Abends fernsehen und wenn genug geglotzt wurde – klingeln. Mit dem Freund streiten und dann das erlösende Klingelklingelklingel…

Erhellender wird das heute nicht mehr. Ich such mal ein Video. Die Krise müsste auch gleich hier sein. Dann kann ich wenigstens sagen: “Yo. Ich habe schon gebloggt! Und du?”

Die Sache mit dem Schaf

Oktober 18, 2012

Die arme Frau Merkel, da muss sie morgens im Bundestag sprechen und der Steinbrück macht sie immer wieder fertig und dann muss sie am Nachmittag auch noch nach Brüssel. Wird die denn gar nicht müde? Und wann ist Frau Merkel heute morgen aufgestanden? Ich nämlich voll früh und ab 13 Uhr hatte ich Kopfschmerzen und die habe ich immer noch. Obwohl ich schon was gegessen und getrunken habe und in der Badewanne war ich auch schon.
Heute war einfach anstrengend. Nur immer die Achten Klasse und zur Entspannung eine anstrengende Siebte – das ist hart und nervt. Donnerstags ist mein härtester Tag. Zum Glück ist nächsten Donnerstag Opferfest. Die Opfer zu Hause und die Christen und Juden und Ungläubigen zu mir. Das wird heimelig. Wahrscheinlich gehe ich mit den beiden eine Cola trinken und das war’s dann.

Heute habe ich meine Klasse gefragt, warum man denn das Opferfest feiert. Nachdem wir klären konnten, dass dieses Fest nichts mit dem Mann und dem Boot und den Tieren zu tun hat, machten wir uns an die Nacherzählung:

“Dieser eine, dieser Abraham, er hatte einen Sohn. Und dann hatte er einen Traum von ein Schaaf.”

“Nein! Das war Gott. Also Abraham hatte einen Sohn und eine Frau und Gott hat gesagt, er soll den Sohn schlachten. Aber er soll nix der Frau sagen.”

“Ach, echt? So kenne ich das gar nicht. Mit der Frau, aber gut, dann erzähl mal weiter!”

“Und dann ist er auf so ein Berg gegangen und hat sein Sohn auf ein Tisch getan und dann als er ihn schlachten wollte, da kam ein Schaf.”

Das Schaf hat es meiner Klasse wirklich angetan. Wir klären noch kurz, warum Gott dieses Opfer von Abraham gefordert hat und warum Abraham nichts seiner Frau erzählt hat. Und dann kommt auch noch jemand darauf, wie das mit dem Schwert war und die Rolle des Schafs wird auch noch geklärt.

Hamid: “Frau Freitag, wissen Sie, warum man immer ein Schaf schlachten muss?”

Ich: “Na, erzähl!”

“Weil, wenn man tot ist und ins Paradies will und wenn man so Sünden gemacht hat, dann kommt man ja da nicht rein, aber wenn man Schafe geschlachtet hat, dann sind die Sünden wieder weg.”

“Hast du denn schon ein Schaf getötet?”, frage ich Hamid.

“Nein”, sagt er etwas traurig. Aber gesündigt hat er bestimmt schon. Naja, er hat ja noch Zeit. Schafe gibt’s ja auch noch genug.

Mein neues Lehrer-Ich

Oktober 17, 2012

Endlich ist wieder Schule! Endlich! Diese Herbstferien – unnötige Unterbrechung des herrlichen Schulalltags. Wie hab ich mich gefreut auf die lieben Kleinen…
Am letzten Schultag habe ich noch schnell eine neue Sitzordnung bauen lassen: Gruppentische!!! Yeah!Schluss mit diesem antiquierten Frontalunterricht. Ab jetzt nur noch moderne, schülerorientierte Lernformen! Auch meine Rolle soll sich ändern. Vom Wissensvermittler werde ich zum Coach. Das hatte ich mir fest vorgenommen für die Herbstferien. Ich werde zum Lernbegleiter meiner Schüler. Nie wieder werde ich Wissen vermittelnd vor denen stehen und auf sie einquatschen. Nein! Ab jetzt werde ich ihnen ein Begleiter auf ihrem eigenen Lernweg sein. Ich werde die Angel. Ich werde keine Fische mehr darreichen!

Kein Wunder, dass bei mir niemand was lernt. Stehe ich doch nun schon seit über 10 Jahren vor der Tafel und labere und labere. Nie mache ich SOL (Selbstorganisiertes Lernen). Kein Kugellager, kein Fishbowl, keine Schreibgespräche – wie soll man da was lernen?

Aber jetzt: Mit den Gruppentischen ist der Grundstein für ein völlig neues Lehrerleben gelegt! Nun erfordert mein neues Lehrer-Ich allerdings eine ganz gründliche Vorbereitung des Unterrichts von mir. Stationsarbeit will vorbereitet sein. Think-Pair-Share läßt sich auch nicht aus dem Ärmel schütteln. Da kamen mir doch diese Herbstferien ganz recht. In 14 Tagen kann man doch so einiges schaffen. Aber als ich gerade mit meiner Vorbereitung anfangen wollte streckt mich ein fieser Virus nieder. Wie ein Goldesel stülpt sich mein Inneres aus allen Körperöffnungen nach außen. Ich möchte hier nicht ins Detail gehen, aber ich habe mehrere Nächte stundenlang gekotzt und mit Durchfall das Klo besetzt. Wenn beides gleichzeitig passiert, ist das wirklich eine ziemliche Einschränkung der Unbeschwertheit. Trotzdem dachte ich in diesen Nächten mehrfach: ich bin dieser Goldesel. Die Tage danach waren schwierig. Meine Erkenntnis: Man kann mit einem TUC-Keks am Tag überleben.
Man verliert auch Gewicht. Ist nicht schwer – diese Gewichtsreduzierung. Der Kleiderschrank eröffnet einem plötzlich ganz neue Möglichkeiten. Aber wer darunter litt – mein neues Lehrer-Ich. Wenn man fast die gesamten Herbstferien mit dem Virus verbringt, dann fehlt die Zeit für die intensive Vorbereitung und am Montagmorgen war alles, was ich hatte, die Gruppentische.

Wird schon, wird schon – dachte ich mir dann morgens im Bus und machte noch schnell eine feine Mädchen-Junge-Sitzordnung.

Dann die erste Stunde: Die Kinder kommen.

“Was das?”
“Warum neue Tische?”

“Setzt euch mal hin, ihr Lieben!”

Nach anfänglichem Murren saßen sie irgendwann an den Gruppentischen. Von der Hälfte der Klasse sah ich nun nur noch den Rücken. Hmmm. Das fetzt ja nun nicht so. Und besonders Aufmerksam waren sie irgendwie auch nicht. Da sie sich nun an ihren Gruppentischen alle angucken konnten, quatschten sie auch alle miteinander. In der zweiten Stunde – Kunst in einer anderen Achten – war es auch nicht besser. Die durften sich hinsetzen, wo sie wollten und das trug auch nicht zu einer erhöhten Aufmerksamkeit und mehr Ruhe bei.

In der dritten Stunde hatte ich Englisch in meiner Klasse und das ging irgendwie gar nicht. Nach zwanzig Minuten habe ich die Tische wieder frontal ausrichten lassen. Plötzlich war es wieder ruhig.

“Sehr schön. Und jetzt nehmt mal ein Blatt raus und schreibt das von der Tafel ab, was ich gleich ran schreibe!”

Ich finde übrigens, dass ich aussehe wie Freddie Mercury.


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