It gives children that gives not

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Gestern habe ich die Englischarbeiten meiner Klasse korrigiert. Ging schnell, da die meisten Schüler die beiden Schreibaufgaben gar nicht bearbeitet hatten. Langer roter Strich über die leeren Zeilen, eine kleine Null vor die /10P. Fertig. Mit jeder Arbeit, die ich zensiere werde ich wütender. “Warum lernen die nicht? Ich hatte alles, wirklich alles vorher angesagt. Zwei der Aufgaben haben wir sogar schon im Unterricht bearbeitet. Ich hatte ihnen immer wieder gesagt: “Diese Aufgabe kommt auf jeden Fall in der Arbeit vor.”

Und dann – am Tag der Arbeit – “Häääähhh? Arbeit? Heute? Ich dachte morgen.” “Morgen haben wir gar kein Englisch.” Bei einer Arbeit schreibe ich unter einen Schülertext: Du MUSST mehr lernen, das ist schon fast kein Englisch mehr. Ich erhalte viel direct oversetting: “It gives childrens she will become money.” Dazu kann ich nur sagen: “I think I spider! Have she not anything learnt from me??? I become money and it gives childrens she learn not English. I know not what I must do?”

Morgen will ich die Arbeit zurück gegen. Die Arbeit ist das letzte Puzzelstück ihrer Halbjahresnote. Wir haben noch drei, vier Stunden, bevor ich die Zensuren für die Zeugnisse abgeben muss, aber eigentlich ist alles gelaufen in Sachen: Ich schwöre ich verbessere mich, Sie werden sehen. Jetzt gibt es nichts mehr zu verbessern. Die meisten Schüler werden eine vier oder sogar eine fünf auf dem Zeugnis haben.

Um den Realschulabschluss zu erhalten brauchen sie aber eine Drei. Und wenn sie im Halbjahr eine Fünf (4Punkte) haben, dann brauchen sie im zweiten Halbjahr eine Zwei (10 Punkte) und auf die Drei (7Punkte) zu kommen. Eigentlich eine sehr einfache Rechnung. Die Schüler, die jetzt eine Fünf bekommen werden, werden niemals eine Zwei im zweiten Halbjahr bekommen. Genauso wenig werden sie die erhalten, wie ich im Lotto gewinnen werde. Denn ich spiele gar nicht und sie lernen gar nicht.

Nun habe ich lange überlegt, was ich beim Zurückgeben der Arbeiten sage. In meiner ganzen Wut, die ich wegen ihrer Faulheit empfand hatte ich mir schon die wildesten Ansprachen überlegt. Dann ging es eher in so ein mitleidiges: Was soll ich nur machen… warum lernt ihr nicht? – Gejammer. Dann dachte ich, dass ich sie frage, wie ich denn den Unterricht gestalten soll, damit sie was tun. Was passieren muss, damit sie anfangen Hausaufgaben zu machen und sich regelmäßig im Unterricht zu beteiligen?

Und dann lese ich den Eintrag von Frl. Krise gestern und rege mich wieder auf. Über ihre Klasse, über meine Klasse, über das ganze Schulsystem. Wütend rufe ich Frl. Krise an und frage sie, was ich meinen Schülern zu ihren schlechten Arbeiten sagen soll. Und sie wäre ja nicht King-Teacher, wenn sie nicht den perfekten Tipp hätte. “Du gibst die Arbeiten völlig emotionslos wieder. Hier eure Arbeiten. Packt sie bitte weg, wir fangen mit dem Unterricht an.” Klingt super. Die Frage ist nur, ob ich meine Wut und meinen Ärger unterdrücken kann. Aber Frl. Krise sagt: “Du gibst die Verantwortung an sie zurück. Wenn ihnen ihre Noten egal sind, dann sind sie dir eben auch egal.”

Klingt einleuchtend. Es kann ja wohl nicht angehen, dass ich mir tagelang den Kopf zermartere, wie ich denen den popligen Stoff der Arbeit darreiche und alles mit ihnen gemeinsam vor- und zurück kaue und die mir dann lapidar sagen: “Oh, die Arbeit, habe ich voll vergessen. Nö, gelernt habe ich nicht. Schreiben wir noch eine???”

NEIN WIR SCHREIBEN NICHT NOCH EINE! ES GIBT AUCH KEINE LETZTE CHANCE MEHR. DAS HIER WAR DIE LETZTE CHANCE. DIE IST JETZT WEG. UND HOFFT NICHT AUF DAS ZWEITE HALBJAHR. DA BRAUCHT IHR DANN EINE ZWEI. HALLLLLOOOO, EINE ZWEI!!! DIE MEISTEN VON EUCH HATTEN NOCH NIE IRGENDWO EINE ZWEI AUF DEM ZEUGNIS – AUßER VIELLEICHT IM GEBURTSDATUM!!!!!

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47 Antworten to “It gives children that gives not”

  1. Shannon Says:

    Ach, ich weiß nicht, vielleicht gebe ich ihnen ein wenig der Einstellung meiner Schüler ab und dafür kriegen meine ein bisschen was von den Ihren? Mich nervt es mittlerweile nämlich total, dass die bei jeder Gelegenheit den Taschenrechner raus holen und ihren Schnitt berechnen. Ich meine, hallo? Die sind nicht die Ersten, die Abitur machen. Aber nein, jede kleine Note, jedes Plus nach einer Hausaufgabe und jeder verlorene Punkt bei einem Test werden genaustens gewichtet und in die Endnote eingerechnet. Ich krieg da die Krise. Dann doch lieber keine Ahnung haben von den Klausuren.

    • fraufreitag Says:

      ja, das kann auch nerven. lass mal die schüler morphen: am ende haben wir dann schüler, die nicht lernen, aber dauernd ihre noten ausrechnen…

    • TickleMeNot Says:

      Hör bloss auf, so eine Freundin hatte ich in der Schule. Nach jeder Arbeit wurde alles zwei- und dreimal kontrolliert, ob der Lehrer auch ja alles richtig bewertet und zusammengezählt hat. Und dann ewig der Notendurchschnitt ausgerechnet.

      Wozu der Salms? Einfach die bestmögliche Leistung erbringen und Notengezitter sollte kein Thema sein.

    • Nashi Says:

      Also dazu muss ich sagen, dass es sehr mit dem Leistungsdruck zutun hat. Ich bin ja selber noch Schülerin und mach dieses Schuljahr mein Abi und immer wird uns gesagt: “Der NC ist ultrawichtig, wenn ihr studieren wollt, eure Noten in der Oberstufe sind für euren NC wichtig, versaut das bloß nicht, blahblahblah” Und dann hat man immer im Kopf, dass der NC für das und das Studium ja so und so ist und man unbedingt so gut sein muss und überhaupt, ohne einen guten NC isses nix mit dem Studium und dann ist es irgendwo verständlich, dass man dann seinen Schnitt ausrechnet. Das Problem ist eben, dass sich alles furchtbar auf die Noten fixiert und nichts anderes.
      Und sowas nervt ziemlich…

  2. smilylight3 Says:

    Frau Freitag,
    heute muss ich doch auch endlich mal was schreiben.
    Ich habe gerade angefangen zu studieren. Lehramt für Haupt- und Realschulen.
    Ich lese erst seit ein paar Wochen ihren Blog, aber ich muss sagen, ich bin immer und immer gespannt was es neues gibt.
    Hoffentlich werde ich auch eine, nur ansatzweise so gute Lehrerin wie sie.
    Liebe Grüße^^

  3. CeKaDo Says:

    Tja, und dann fragen sich die Eltern, was denn die verd …. Schule dafür leistet, das die Kinder etwas lernen und später mal einen hoch dotierten Beruf erlangen …

    Ich habe derzeit die Produkte dessen, was diese Gesellschaft, dieses System erbringt. Ausgebrannte junge Leute, ohne Ausbildung, mit Vieren und Fünfen in Mathe und Deutsch, sowie keiner Ahnung gesegnet, wie man noch eine einfach Multiplikation ohne Taschenrechner schafft.

    Irgendwo sind dann auch noch das Selbstbewusstsein und die deutsche Schriftsprache auf der Strecke geblieben. So ganz nebenher.

    Eltern, die Druck machen – Lehrer, die keinen Bock mehr auf Unterricht haben – Berufsschullehrer, die zwei Stunden Unterricht damit gestalten, dass sie für 80 Minuten Kopieren gehen …. meine Liste ist sehr lang.

    Und ich stehe da und versuche im Auftrag der Arbeitsagentur zu retten, was zu retten ist. Dabei stinkt der Fisch schon lange am Kopf.

    • fraufreitag Says:

      ich wäre froh, wenn die eltern sich mal dahinter klemmen würden und druck machen würden. und dass die schüler nicht besser werden, wenn sie die schule verlassen ist ja irgendwie auch klar. aber die kommen auch schon völlig verkorkst bei uns an. bitte mach du was aus ihnen!!! Ich schaffe das irgendwie nicht.

    • Magma Says:

      @ CeKaDo:
      Stimmt. Frau Freitag und Frl. Krise können machen was sie wollen -und sie machen ja wirklich viel- aber das Konzept der Schule/ der Lehrplan scheint nicht richtig zu den Schülern zu passen.

  4. frlkrise Says:

    Frau Freitag, wie sagte mein verstorbener Deutschkollege immer, wenn wir uns so höllisch über alles aufgeregt haben?
    “Da werden Weiber zu Hydranten…!”
    Vielleicht liegt es ja auch nur an der Jahreszeit. Dem Wetter. Oder dem Mond.
    Oder an uns.
    Das wirds sein…….

  5. ST Says:

    Hallo Frau Freitag,

    der evolusin hatte doch im Kommentar zu Ihren Einträgen vom Wochenende irgendwo 4-5 Vorschläge gemacht, wie Sie die Brut packen könnten. Für mich (als Ex-Schüler = keine Ahnung) klangen die sehr gut. Haben Sie diese Methoden schon ausprobiert?

    • bitbull Says:

      und ich dachte, Evolusin hätte nur Vorschläge gemacht, wie fraufreitag sich als ganz schlechte Pädagogin sehen soll.

      Dem gings auch mal um Wissensvermittlung, echt?
      *staun*
      gleich mal nachgucken….

      ach nee, war wirklich nix, er musste stattdessen klären, dass er auch Humor hätte und das alles.

      • bitbull Says:

        bah, ich vermiss eine Editierfunktion meines unverantwortlichen Geschreibsels.
        Ehre wem Ehre gebührt – er hat wirklich Vorschläge gemacht. Die setzten aber alle Voraus, dass die Schüler grundsätzlich Interesse an irgendwas hätten, das entfernt mit den Fächern zu tun hätte.
        “lets get this apprentice-pimp-workshop rolling” hört sich nicht wirklich wie ne Alternative an.

  6. Herr Nuss Says:

    Ich finde den Vorschlag von Frl. Krise recht gut. Wenn die Schüler sich so konsequent nicht dafür interessieren, dann dürfen sie auch mal einen Gang zurückschalten. Außerdem fällt mir gerade ein, wie sie mal geschreieben haben über irgend so ne Berufsberatung mit ihrer Klasse ,bei der sich alle total unmöglich aufgeführt haben. Am nächsten tag haben sie dann nicht gejammert und auch nicht geschimpft, sondern sich bei denen entschuldigt, dafür, dass sie die mitgeschleppt haben. Und das hatte im Enddefekt dann die größte Wirkung. Hmmm… wissen sie noch welches Ereignis ich meine? Bin grad zu faul, jetzt das Archiv zu durchwühlen. Aber jedenfalls geht der Vorschlag von Frl. Krise für morgen ja in die gleiche Richtung. Vielleicht hat das dann ja auch die größte Wirrkung (auch wenn der Zug schon abgefahren ist… )

  7. ZakuAbumi Says:

    Ich darf mittlerweile den Ramsch inkompetenter Lehrkräfte ausbaden, denen es nicht einmal im Traum einfallen würde, auch nur ansatzweise gelernten Stoff abzufragen. Wenn ich bedenke, dass ich zugunsten der Geschichts-/Sozialkundeklausur 4 Stunden aufgeopfert habe, ist das natürlich entsprechend bitter. Und morgen dann Informatik. Die Anzahl der Hefteinträge beschränkt sich auf ein Minimum von drei spärlichen Exemplaren und Wissen ist keines vorhanden. Oh, das wird erst ein Spaß.

    Sagen Sie, Frau Freitag, wie machen Sie das eigentlich mit den Frage(stellunge)n? Ich bin eher ein Fan von explizitem Aufrufen des Gelernten, aber irgendwie liegt Utopia dann doch sehr fern.

    • kecks Says:

      Lehrer fragen normalerweise drei Bereiche ab: Wissen (Auswendiglernen), Anwendung dieses Wissens (z.B. es an einem Beispiel erläutern) und dann den bei vielen Schülern heiß geliebten Transfer, das “Problemlösende Denken”. Da hilft Lernen nun gar nichts mehr; man muss es wirklich verstanden haben. Sie fragen fast nur nach Bereich 1 – auf den sollte sich schulische Ausbildung aber nicht konzentrieren. Bereich 3 ist das, was wirklich hängenbleibt und lange zur Verfügung steht, zudem auch in anderen Kontexten nutzbar ist (da eben verstanden, nicht nur gepaukt).

  8. Marc Says:

    Dass in einer Arbeit tatsächlich die gleichen Aufgaben wie im Unterricht vorkommen, glaubt man als Schüler nicht. Ich hätte es nicht geglaubt. Und wenn es doch passiert und man es sogar merkt, dann würde ich mich nicht trauen, das gleiche zu schreiben wie im Unterricht. Wäre ja nur eine Wiederholung und das ist bestimmt nicht richtig.

    Manchmal machen sich Schüler auch zu viele Gedanken.

    Und dann sind bestimmt auch die dabei, die sich in Englisch eh schon aufgegeben haben. Was nützt es, wenn man gesagt bekommt, dass es schon viel besser ist als letztes Mal, aber die Note Sechs zur Note Fünf wurde? Abschrift als Korrektur (wird das überhaupt noch gemacht?) hilft nichts, weil das ja nur noch mehr Arbeit bedeutet und als Strafe wirkt – als ob die Fünf nicht schon Strafe genug wäre.

    Problem wird aber sein, dass man nicht mit jedem einzelnen die Arbeit und die Fehler durchgehen kann.

  9. Tagpflückerin Says:

    Ich hatte hier gerade eine ähnliche Situation. Ich bin als Engelslehrer in die Klasse und gab zum 1. Mal in meiner Laufbahn die Möglichkeit: alle Freiwilligen sprechen sich ab, kommen auf mich zu und es gibt eine Nachschularbeit (nur wenn die 1. unterschrieben und verbessert da liegt).
    Anvisierter Termin: diesen Freitag.

    Ich ärgere mich jetzt schon über meine Blödheit: ich werde am Freitag mit meiner Ersatzarbeit dasitzen, alle wollen sich verbessern, werden aber nicht mal die alte Arbeit dabei haben.

    Und wie komme ich auf die glorreiche Idee: am Tag vor der Rückgabe war Fortbildung.

    lg Tagpflückerin

  10. Polly Oliver Says:

    Ach Frau Freitag, ich les hier ja schon länger mit und ich muss sagen, ich verstehs einfach nicht, echt nicht.
    Ich mein, ich war auch kein Musterschüler, ich bin eher ne faule Sau. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals vergessen hätte, das eine Arbeit geschrieben wird. Vielleicht mal einen Vokabeltest, aber selbst da bin ich mir nicht sicher.
    Und nein, meine Mutter hat ab dem Gymnasium, glaube ich, nicht mehr meine Hausaufgaben kontrolliert oder sich drum gekümmert, ob wir in der Schule eine Arbeit schreiben oder so.
    Und ja, ich bin auch schon mit einer 5 oder eine 6 nach Hause gekommen. Vor allem die 6 war ganz schrecklich (und übrigens in Englisch, 5te oder 6te Klasse) für mich.
    Und selbst diejenigen, die zu Hause den Arsch gepudert gekriegt haben, oder die, die alles selbst auf die Reihe kriegen mussten, weil die Eltern keine Zeit oder keinen Bock hatten, haben, soweit ich mich erinnern, kann nie eine Arbeit vergessen.
    Gut, bei mir waren die Noten immer sehr davon abhängig, ob mich das Thema interessiert hat oder eher nicht.
    Aber selbst Englisch, wo ich fast meine gesamte Schullaufbahn knapp an der 5 vorbei geschrabbt bin (ich versteh die englische Grammatik bis heute nicht und dabei hab ich die Grundgrammatik hoch und runter gelernt) bin ich dann besser geworden, als es ums Schnacken ging und nicht mehr nur um die Grammatik (aber if-clauses kann ich Ihnen immer noch runter beten, da hat einer meiner Lehrer gute Arbeit geleistet und uns das immer und immer wieder aufsagen lassen…).

    Aber ich kann einfach nicht nachvollziehen wie man sämtliche Verantwortung so von sich weg schieben kann. Wollen die das ihr Leben lang so machen? Wie wollen die denn, zum Beispiel, mal ihren Führerschein machen? Da müssen sie auch für lernen und je länger sie brauchen, desto teurer wirds auch. Wollen die dann sagen: “Abbo, Vollspast von Prüfer ey, hätt ja mal sagen können dass da Vorfahrt ist für Auto von reschts!”

    Ich glaube, ich wäre an Ihrer Stelle schon lange verzweifelt, oder total ausgetickt. Ich finde, Sie geben sich so viel Mühe, Sie versuchen alles, damit die mal aufwachen und verstehen, warum Schule wichtig ist. Sie kümmern sich um Sorgen und Ängste, erklären Dinge, die eigentlich gar nicht in Ihren Unterricht passen und all diese Dinge, wo ich immer denke: “Wow, wissen die Schüler eigentlich wie viel Glück sie haben und wie es ist, wenn Lehrer hat die einfach nur Lehrer sind und sich nicht so persönlich um einen kümmern?”
    Anscheinend ja nicht. Und das finde ich traurig!

    Sie machen sich so viele Gedanken, machen sich sogar Vorwürfe, wenn denen 5 Mal was sagen und die es dann trotzdem nicht gebacken kriegen, ich finde, irgendwann sind die einfach selbst Schuld.
    Mir sagt auch keiner, dass ich mich bis zu nem bestimmten Datum an der Uni zurückmelden und die Semestergebühren überweisen muss und wenn ich das vergesse werde ich exmatrikuliert. Bumm, Pech gehabt.

    Ich beende das hier mal, der Kommentar ist lang genug (denn ich kann mich so schlecht kurz fassen ;) )
    Ich wollte nur noch anmerken, dass ich den Vorschlag von Frl Krise gut finde!

    Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch,

    Polly

  11. Manuel Rösler Says:

    Mensch, Frl. Freitag – da leidet man ja schon beim Lesen mit. Ich versteh’s auch nicht: Warum ist denen ihr Leben so schrecklich egal? Doof geboren ist ja keiner, es muss also schon im Elternhaus, im Kindergarten und in der Grundschule gehörig etwas schief gelaufen sein. Und wenn ich Ihren Blog (und den von Frau Krise) richtig lese, dann liegt es vor allem an den Eltern, die sich einen feuchten Kehricht um ihre Kinder scheren.

    Und warum das so ist, da fallen mir spontan ganz viele Gründe ein, die nichts mit ihrem Schulalltag zu tun haben: verkorkste Einwanderungspolitik, ein Bildungssystem, in dem jeder Provinzfürst nach Belieben schalten und walten kann, verquaste Diskussionen um sogenannte “Leitkulturen” und und und…

    Und doch leidet man ja mit, wenn man als Lehrerin einen Haufen mieser Klausuren zurückgeben muss. Ich finde den Vorschlag von Frau Krise gut, auch wenn man die Kinder am liebsten schütteln würde, damit sie aufwachen. Ich frage mich gerade, ob das der Fluch der Realschule ist: dass sich die Schüler gerade dann mit ihrer Zukunft beschäftigen müssen, wenn sie mitten in der Pubertät stecken?

  12. croco Says:

    Wenn ich dann solche Klausuren zurückgeben musste, habe ich mich fürchterlich aufgeregt, früher.
    Heute eher nicht mehr, das würde mich kaputt machen.
    Wenn sie mich heute fragen, ob ich mich denn nicht ärgern würde, dass sie nichts getan hätten für die Arbeit, antworte ich :
    “Ich hab mein Abitur.”
    Meist erschrecken sie und gucken komisch.
    “Denke Sie denn, wir schaffen das nicht?”
    “Nö, auf die Tour nicht.”
    Vermutlich funktioniert das nur auf Gymnasiumsschule.

  13. herr wort Says:

    na, dann fangen sie doch mal an… mit dem lotto spielen. und bei den zeugnisnoten in hinkunft einfach würfeln; spart stress UND macht spaß!

  14. bitbull Says:

    ach scheisse.
    ich wollt ja wieder irgendwas humoriges ablassen heute abend, aber …
    oder was tröstliches …

    … hier hats geschneit heut abend, und die ganze stadt sieht niedlich weiss eingepackt und adventskalenderlich harmlos aus. hilft das? wohl nicht.

  15. Barbara Says:

    Hast Du Dich schon mal gefragt, warum sie nicht lernen? Weil sie keine Lust dazu haben!!!!!! Und das ist ihr gutes Recht. Nur willst Du das wohl nicht einsehen.

    • fraufreitag Says:

      das verstehe ich nicht. wieso ist das ihr gutes recht? welches recht ist das ? es gibt ein schulgesetz und da stehen auch die rechte und pflichten der schüler drin und dort steht auch, dass sie die pflicht haben hausaufagben zu machen und regelmäßig im unterricht mitzuarbeiten. da steht nichts von einem recht auf keine lust haben.

      • Zirkuskind Says:

        eben..es gibt kein recht auf “keine lust haben”.
        sobald sie dann nämlich mal richtig arbeiten gehen sollen, wenden sie “ihr recht” wieder an?? rechte kann man schliesslich nicht wieder weg nehmen. besitzstand und so.

        ich finde den tip gut! ich finde, dass ist genau der richtige schlechtes-gewissen-tip. sobald frau lehrerin nämlich aus ihrem normalen schema ausbricht und plötzlich raushängen lässt, dass alles ja wirklich sehr aussichtslos ist, machen sie sich vielleicht wirklich endlich mal gedanken.

        jeder ist schliesslich seines eigenen glückes schmied…

      • Annika Says:

        Ich finde auch, jeder Schüler hat das Recht, mal irgendwo keine Lust zu zu haben. Wenn dann wenigstens die anderen Fächer stimmen, kann man sagen: Okay, der Bilal hat in Englisch zwar ne fünf, aber ind Deutsch, Kunst, Geschichte und Politik (oder heißt das noch WUK?) steht er zwischen 1 und 2. Das Problem ist aber wahrscheinlich, dass manche Schüler glauben, dass sie das Recht hätten, nicht nur keine Lust in einem Fach zu haben, sondern allgemein auf Schule.
        Und noch ein Unterschied, den ich machen würde: Das Recht, mal keine Lust zu haben, hat jeder, aber nicht das Recht, rein gar nichts zu machen und so die Arbeit anderer (in diesem Falle von Frau Freitag) zunichte zu machen. Denn auch Frau Freitag hat das Recht, ernst genommen zu werden.

    • Tyrael Says:

      Ach ja, die alt 68er und ihre Erziehungsmethoden.
      In diesem Fall hier empfehle ich Richard Dawkins – in rauen Mengen.

    • Lucy Says:

      Wenn die Schüler der Meinung sind, dass sie das Recht hätten nicht zu lernen, dann müssen sie mit den Konsequenzen leben. Wer sich weigert zu lernen kriegt halt schlechte Noten. Ursache und Wirkung. Alles andere wäre übrigens denen, die sich tatsächlich anstrengen gegenüber sehr unfair.
      Habe ich auch alles durch, hab aber immer irgendwie die Kurve gekriegt und bin dann holterdipolter zu meinem Fachabi gelangt (auf dem OSZ hab ich dann aber auch brav gelernt).

    • bitbull Says:

      Das ist jetzt irgendwie ein Satireversuch, oder?
      dann fehlt aber noch so´n bisschen das Lokalkolorit, ein geschickt gesetztes “Vallah” oder “Ich schwör” wirkt Wunder.

      Aber wenn sie das Ernst meinen, dann kann ich Sie nicht Ernst nehmen.

    • Christian Says:

      Ist ja schön, dass die keine Lust zum Lernen haben. Ich habe dann als Steuerzahler aber umgekehrt auch keine Lust, den Unlustigen ihren warmen Sitzplatz in der Schule und die Arbeitskraft von Frau Freitag zu sponsern. Vom späteren ALG II mal ganz abgesehen.

    • Nadine Says:

      Ach, evtl. regeln das die Engel…oder kann man sich in Ihrem “Wunsch-Buch” einen guten Schulabschluß wünschen???

  16. Martin Says:

    „Du gibst die Arbeiten völlig emotionslos wieder. Hier eure Arbeiten. Packt sie bitte weg, wir fangen mit dem Unterricht an.“ Klingt super. Die Frage ist nur, ob ich meine Wut und meinen Ärger unterdrücken kann. Aber Frl. Krise sagt: „Du gibst die Verantwortung an sie zurück. Wenn ihnen ihre Noten egal sind, dann sind sie dir eben auch egal.“
    Ich denke, dass Frl. Krise recht hat. Und die nächsten Arbeit schreiben Sie dann genauso emotionslos: So Stifte harausholen, Zettel raus. Wir schreiben jetzt eine Arbeit. Je weniger Emotionen sie in dieses Thema stecken, desto mehr merken Schüler, irgendwann, das es wirklich ernst ist – und Ihnen geht es deutlich besser.
    Möglicherweise verlassen sich die Schülern auf die “Mutti” in Ihnen, was aber auch eine sehr schöne Eigenschaft ist. Aber bestimmt nicht immer hilfreich.

  17. LickyWeeks Says:

    Hallo Frau Freitag.

    Als Eltern muss man doch ab und zu mal seine lieben Kinder fragen wie es in der Schule läuft. Dass Eltern nicht unbedingt den Stoff verstehen müssen ist klar. Aber wenigstens Interesse zeigen wäre schon Trumpf. Klar sind Kinder bequem und wollen immer nur Nintendo spielen oder in der Glotze hirnlose……ach was solls….Ich will nur sagen, dass Eltern gelegentlich Ansagen machen müssen. Dazu gehört, dass man sich für seine Kinder Interessiert.

    Alles auf die Gesellschaft zu schieben ist ein einfach und natürlich bequem für die Eltern.

    Bildungsgutscheine für ALLE!

    Ich finde die Eltern sind mal dran. Und Ursula.

  18. Karl Eduard Says:

    Na, früher hiess es, lerne ordentlich, damit Du was ordentliches wirst. Ist heute aber nicht mehr nötig weil es Geld auch für Nichtstun gibt. Das ist das Problem. Geld gibt es sowieso. Da muß keiner mehr lernen. Na und? Werde ich eben Hartz IV.

  19. flexolern Says:

    Ich musste je mehr also schmunzeln, als ich das gelesen habe :-) Fächer und Schüler sind also doch beliebig austauschbar – und es liegt dann wohl auch nicht an meinem Unterricht, dass es mir zur Zeit ähnlich geht. Ich gebe meine Arbeit morgen zurück und ich weiß noch nicht, was ich sagen werde…

  20. KS Says:

    Liebe Frau Freitag,

    ich kenne das. Falls es Sie tröstet: Aus der Arbeit mit Studenten und mit Auszubildenden. Genau das gleiche. Wenn auch wahrscheinlich nicht so ausgeprägt.

    Aber ich konnte auch dreimal sagen, dass das in der Klausur drankommt, es gab immer welche, die bei der Frage das Feld leer liessen. Manchmal mit der Begründung: “Naja, das Fach konnte ich noch nie” (Super, wenn man genau das Fach studiert, oder dort eine Ausbildung macht)

    Zum Vorschlag mit dem “Gleichgültig zurückgeben”: Das wird nicht funktionieren. Daraufhin werden Ihre Schüler sagen: “Vallah, kann ich nicht schreiben gute Note, wenn Frau Freitag egal ist. Hab ich schon immer gewusst, dass ich Frau Freitag egal bin. Deshalb schreib ich schlechte Note. Hat keinen Zweck das Lernen, weil ich dem Lehrer ja egal bin, Deshalb lern ich gar nicht erst”

  21. CeKaDo Says:

    @ fr. Freitag: Ich gebe mein Bestes, glauben Sie mal.

    Allerdings wurde ich heute schwerst erschüttert. Wohlgemerkt, ich habe vor mir eine große Menge an jungen Leuten um die 19 bis 24 Jahren sitzen gehabt. Alle durchweg mit Fachoberschulreife, Abitur oder mindestens einem Realschulabschluss (einer mit Hauptschulabschluss und etwas jünger).

    Die Aufgabe für eine sogenannte “Arbeitsprobe Theorie” war deutlich. Vier Räume wurden mit ihren Maßen beschrieben. Wie lang, wie breit und wie hoch. Die Menge der Türen und Fenster, ja, sogar die genauen Maße eben derer. Es ging um die Ermittlung von Quadratmetern zu streichender Fläche in vier Räumen.

    Geliefert wurde außerdem die benötigte Menge Farbe pro m² und der Preis.

    Ausgerechnet werden sollte die benötigte Farbmenge und der Materialpreis, auf den als Bonbus noch 10 Prozent Rabatt gewährt wurden.

    Damit das Ganze nicht zu einfach wurde, denn die Teilnehmer wollten ja “wegen chronischer Unterforderung” etwas Anspruchsvolles haben, habe ich den Einsatz von Handy und Taschenrechner untersagt.

    Damit es aber nicht zu schwer wurde (ja, ich sehe Sie alle lachen!), haben wir eben diese Aufgaben eine ganze Woche lang täglich geübt!

    Das Ergebnis war niederschmetternd: 1 x sehr gut, 1 x gut, 1 x befriedigend, 1 x ausreichend, 7 x mangelhaft, 9 x ungenügend, 16 x abwesend aus diversen Gründen.

    Soll ich noch einmal die Personengruppe nennen? Oder lesen Sie slesbt oben nach? Der Grusel wurde perfekt, als ich feststellen musste, dass alle Noten unter ausreichend nicht gewusst haben können, dass ein Raum vier Wände hat.

    Ich gehe jetzt weinen.

    • fraufreitag Says:

      kopf hoch… das mit diesen quadratmetern ist aber auch kompliziert. wir sollten in der kunstklausur (Oberstufe) damals eine Therme entwerfen. Bei der Rückgabe sagte mein lehrer: interessant, deine sitzbank hier ist ja 200 quadratmeter groß…

  22. andreaskampe Says:

    “I think I spider” gefällt mir,
    liebe Frau Freitag. Bringt eine Menge Anmutungen von Sympathie rüber, Ihre Bloggerei. Damit Lehrer weniger verzweifeln, wirkt mein Thema auch. Daß es Gott im Bereich der Sichtbarkeit gibt, als größeren Lehrer, hätte ich früher nicht gedacht oder geglaubt. Auch andere können dieses schweigende Antlitz sehen, es ist nicht nur eine Fata Morgana, keine Halluzination. Die Erforschung ist auch mit Aufwand verbunden, und nicht wenige denken wohl, es wäre ein Sch…. von Photoshop.

    Ich könnt mich ärgern über jedes mangelhafte Lernen, und angesichts des Angesichts interessieren mich nun Bücher, angefangen vor dem BigBang bis zur Zukunft. Jetzt darf ich seit 1976, seit Windows 95 und seit der WebGestaltung, wie ich diese “Story” mit html und CSS nun rüber bringe. Ich würd sie auch auf Pappdeckel schreiben, sie ist sektenfrei, kostenfrei, freikirchenfrei, unkatholisch…

    Ja, der schweigende Gott ist ein Lehrer, den viele sehen können; er kann wohl auch Englisch, und in Träumen gibt es Bekräftigungen. Das Antlitz ist allerdings nur sehr dezent, diskret, und nicht “in Fülle” zu sehen, doch immerhin (“zuerst enttäuscht, und dann begeistert”). Nun muß ich mich ein wenig – mit Lernanstrengungen – üben, daß ich auch bei wordpress bin…

    God is visible, Sichtoffenbarung, Gottes neue Sichtbarkeit, seit 1976,
    verbleibe ich mit Grüßen, Andreas J. Kampe

  23. Eos Says:

    Liebe Frau Freitag,

    ich lese nun schon seit einiger Zeit Ihren Blog und möchte jetzt auch mal einen Kommentar hinterlassen. Sie haben wirklich meinen vollsten Respekt – dieser wundervolle Blog versüßt mir mancheinen Nachmittag. Ich kann hier in manchen Situationen gar nicht nachvollziehen, wie sich Ihre Schülerschaft so verhalten kann – sind die sich wirklich von gar nichts bewusst? Man glaubt teilweise ja gar nicht, wie ignorant sich jemand benehmen kann! Auch wenn es bei mir in der Klasse Zeus sei Dank nicht so drastisch ist (aber auch an Gymnasien ist es leider nicht so idyllisch, wie so oft geschildert wird ;)), kann ich die Respektlosigkeit unseren Lehrern gegenüber wirklich nicht leiden. Man könnte meinen, in der 8. Klasse wäre man dazu fähig, sich einigermaßen konzentriert am Unterricht zu beteiligen, aber dem ist meistens nicht so. Ich verstehe zwar durchaus, dass nicht jeder Chemiker werden möchte, aber ist es wirklich so schwer, mal NICHT bei jedem Experiment »Herr XY, Herr XY, ich hab’ Angst, wird des explodieren?!« rufen zu müssen?
    Mein Vorschlag wäre, Schule würde freiwillig werden. Oder zumindest einige Fächer (da wäre das »Problem« mit der vermeintlich zu geringen Förderung des Individuums auch aus dem Weg geschafft – gut 10 Privatlehrkräfte pro Schüler wäre doch wirklich bestens dazu rekrutiert, auf den Einzelnen individuell einzugehen ;)).
    Ach, Utopien …

    Schreiben Sie bitte so weiter und für die Zukunft alles Gute!

    LG, eine Schülerin

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