Opferfest, auch für mich ein Feiertag!

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Der Hals kratzt. Läßt sich das ausbauen? Lohnt sich so ein Ausbau überhaupt? Ist doch bald Wochenende und morgen ist doch einer der zwei angenehmen Sondertage: Opferfest. Am Zucker- und und Opferfest sollen die Moslems zu Hause bleiben und feiern. Dann sitzen wir mit den Kartoffeln und den russischen Juden in einer sehr leeren Schule. Im Lehrerzimmer ist eine entspannte Stimmung, auf dem Hof eine Atmosphäre wie nach einem Atomangriff. Vereinzelt stehen Grüppchen von blonden Schülerinnen und Schülern in den Ecken rum. Alles ist in eine Decke von wohliger Ruhe gehüllt. Im Unterricht hat man dann den Jens, den Kevin und die Sabine. Dann Peter, Antonia und Jekatarina. Ganz entspannt macht man Musik an und sortiert mit den Kleinstgruppen die Schränke. Ich werde morgen die Tuschkästen auswaschen und Buntstifte sortieren. Solche Aufgaben machen unsere Schüler gerne. Und heute kann ich wieder in jeder Klasse meinen jährlichen Witz machen: “Na ihr Opfer..feiert ihr morgen schön euer Opferfest?” Herrlich, denn man hat bei uns nicht oft die Chance einen libanesischen Schägertypen ungestraft “Opfer” zu nennen.

In den letzten Jahren schummelten sich allerdings immer mehr muslemische Schülerinnen und Schüler an ihren hohen Feiertagen in die Schule. “Ich komme morgen auch! Zu hause muss ich soviel helfen…”. Meine Vermutung ist, dass die Eltern ihre nervende Brut auch nicht im Haus haben wollen. Ich sage zwar immer, dass es der islamischen Schülerschaft verboten ist, am Opferfest zu erscheinen, aber ich bin mir sicher, dass Samira morgen in der Klasse sitzt.

An diesen Tagen wie morgen sieht man erstmal, wie viele Schüler bei uns einen moslemischen Hintergrund haben. Letztes Jahr kommt Ali am Zuckerfest in meinen Raum. “Ali, was machst du denn hier? Ihr habt doch heute frei.” frage ich ihn. “Aber Frau Freitag, ich bin doch kein Moslem.” sagt er etwas empört. “Aber du kommst doch aus Syrien. Was bist du denn?” Bei uns ist nämlich jeder irgendwas. Keinen Glauben gibt es nicht. Wenn ich gefragt werde ob ich Christin bin, antworte ich immer voller Stolz, dass ich evangelisch sei und denke daran, wie viel Kirchensteuer ich jeden Monat entrichte, ein jährlicher Skiurlaub ist das bestimmt. Ali setzt sich an einen Tisch und packt seine Sachen aus. “Frau Freitag, wir sind Drusen.” Drusen. Habe ich doch irgendwie schonmal gehört. Drusenführer….wie hieß der doch gleich? Und was sind das für welche? Diese Drusen. Ali jedenfalls ist ein sehr netter und äußerst höflicher Druse. In dieser Stunde damals putzte ich die Tische und erfuhr unheimlich viel über das Leben in Syrien. Dort hat z.B. niemand einen Führerschein.

Ach, ich freue mich auf morgen. Warum gibt es nicht mehr moslemische Feiertage, oder ganze Feierwochen…die feiern doch alles immer tagelang. Das war doch schon bei 1000 und einer Nacht so. “Die Hochzeit dauerte eine Woche…” Vorgestern erzählte mir Abdul mitten im Unterricht, dass er am Freitag schlachten gehen würde. “Aha, Abdul, erzähle mir das mal nach dem Unterricht.” habe ich ihn schnell abgebügelt. Und seit dem spukt mir dieser Satzt im Kopf rum. Wo und was schlachtet Abdul morgen? Darf man das? Schächten die? Wird er das Tier umbringen? Was kostet so ein Tier? Badezimmer? Balkon? Ordnungsamt! Jetzt muss meine Neugier bis Montag warten. Und dann kann ich mir auch wieder anhören, wie viel Geld die Schüler für ihr Händeküssen bekommen haben. Diese Feiertage geben ihnen irgendwie ein falsches Bild vom Geldverdienen. Da küsst man einen Verwandten und schon gibt es ein paar Scheine… Hoffentlich sind alle Hände gut gewaschen, sonst haben wir wieder Schweinegrippenalarm am Montag. Und wo mir doch schon der Hals kratzt…

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5 Antworten to “Opferfest, auch für mich ein Feiertag!”

  1. Frl. Krise Says:

    Ja, FrauFreitag, das opferfest…..das geilste fest von allen: Für mich heißt das: erste und zweite stunde: Laura, sonst niemand! Dritte und vierte Stunde: Lim (chinese!) und sonst niemand! Fünfte Stunde: fünf germanen, und die letzten beiden stunden erwischt es mich hammerhart: neun kinder…..falls die solange dableiben und nicht vorher türmen…..

    Und zum abschluss noch eine nette, feine geschichte, (die besser zu knecht und spast gepasst hätte): Eine schülerin raunzte heute einen kollegen, der sie bat, die fenster zu schließen, mit “Machen sie doch selbst, bin ich ihr DILDO ?!” an……

  2. croco Says:

    Ja, verstehe. Neger darf man nicht mehr sagen.

  3. Frau Dienstag Says:

    Was ist eigentlich Opferfest? Opferfest? Nie gehört.

  4. Heinrich L. Says:

    @ croco: LOL
    Ja, ichverstehe! Des wegen sagt man heute Dildo, hätte ich das damals gewusst…

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