Kriselt Frl. Krise?

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Frl. Krise macht mir Sorgen. Sie kommentiert gar nicht mehr regelmäßig. Dabei gehören Frl. Krises aufmunternde ehrliche Worte unbedingt zu diesem Blog. Ohne sie ist das hier nicht wie immer. Macht es nur halb soviel Spaß. Es fehlt einfach etwas. Wenn ich Frl. Krise anrufe ist sie immer ganz geschafft. Ihre Schüler werden von Tag zu Tag unverschämter und debiler. Glüht am Ende schon ein Flämchen des Burn Outs? Sie erzählt eigentlich immer nur noch von Horrorerlebnissen, die zwar spannend sind, die sie allerdings nicht verdient hat. Und jeden Tag verabschiedet sie sich damit, dass sie noch die Deutscharbeiten nachsehen muss. Und das seit Wochen. Bildet sie sich die Deutscharbeiten am Ende nur ein? Neulich waren wir spazieren und da sang sie permanent vor sich hin. “Give me hope Joanna, hope Joanna…” Ich mache mir ernsthaft Sorgen. Frl. Krise soll nicht so machen. Sie soll mir von Heldentaten aus ihrer Schule  berichten, von paradoxen Interventionsmeisterstreichen. Sie soll mir erzählen, wie sie sich mitten in einer Stunde eine geniale Phasenüberleitung ausgedacht hat und dann eine Unterrichtsmethode erfunden hat, die die Schüler von ihren Stühlen gefegt hat. Klippert vor Neid geplatzt, will ich mir dabei denken. Frl. Krise soll es gut gehen. Blendend geht es mir, soll sie sagen.

Sie gehört zu meinem Beruf. Ohne sie könnte ich gar nicht Lehrerin sein. Sie ist Superwoman, Terminator und Bond Girl in einer Person. Als Schüler würde ich mir wünschen, dass sie mich in allen Fächern unterrichtet. Ich hätte sie auch gerne als Schulleiterin. Nach jeder verkackten Stunde ginge ich zu ihr in das gemütliche, aber stilvoll eingerichtete Chefzimmer und sie gäbe mir einen Schnaps und gute Tipps. Besoffen und moralisch gestärkt torkelte ich dann in den nächsten Kampf. Armes Frl. Krise, sie hat es im Moment so schwer mit ihrer garstigen Klasse.

Frl. Krise soll auch meine Mutter sein. Ich nenne sie zwar nun schon seit Jahren “Mama”, wenn wir in der Öffentlichkeit sind, aber sie kommt einfach nicht mit den Adoptionspapieren rüber. “Ich will auch gar kein Auto!”

Nein, nein, eigentlich will ich nur, dass es ihr wieder gut geht. Kann nicht jemand ihre Klasse in ein schwarzes Loch schmeißen oder ihnen Drogen geben, damit sie sich in Schüler entwickeln, die das tolle Frl. Krise verdient hat? Das verrückte an ihr ist allerdings, dass sie sich trotz aller Rückschläge, nicht unterkriegen läßt. Nix “Krankheit als Weg.” Oder Stundenreduzierung. Obwohl sie sich das leisten könnte. Frl. Krise verdient ungefähr das 20fache von dem was ich verdiene. Und sie verdient es auch. Sie unterrichtet auch viel mehr Stunden als ich. Als wir alle. Sie macht freiwillig Überstunden und beklagt sich nie bei ihrer Schulleitung. Sie schleppt sich noch mit dem höchsten Fieber in die Schule und ist in jedem Gremium der Schule vertreten. Wenn das Fernsehen kommt wird sie gefilmt. Wenn es ein ausuferndes Projekt gibt, dann wird es ihr aufgehalst und sie zieht es durch, auch wenn schon längst kein Schüler mehr mitmacht.  Bei jeder Weihnachtsfeier gestaltet sie das Programm und backt schon im November Kekse fürs Lehrerzimmer.

Wennn es mehr von ihrer Sorte gäbe, dann hätten wir weder Bildungsmisere, noch Pisanotstand, sondern nur noch Abiturienten. Leider gibt es von ihr nur eine, deshalb muss man auch ganz besonders gut auf so ein pädagogisches Juwel aufpassen.

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4 Antworten to “Kriselt Frl. Krise?”

  1. Frl. Krise Says:

    Nee,nee, nee Frau Freitag……!!!!! Ich bin geschockt! Dieses hier beschriebene Superman- Frl. Krise hat mit dem richtigen herzlich wenig zu tun….. das reale Frl Krise hatte heute 7 stunden und davon waren fünf pädagogisch wertlos, wenn man davon absieht, dass niemand ERNSTHAFT zu schaden kam ( eine aufgeplatze lippe nach leichtem boxschlag zählt nich, oder?)
    Mehr sach ich ma nich…..ich lese jetzt alles nochmal…..hach…..

  2. croco Says:

    Ach, Fräulein Kirse. Pädagogisch wertlos ist nichts. Es wirkt nur später, viel später. Man muss sich einfach darauf verlassen, dass die winzigen Bäumchen, die man pflanzt, mal einen Wald ergeben. Auch wenn man ihn nie sehen wird.
    Die heutigen Wälder hat auch einer gepflanzt, den wir nicht kennen, der aber seine ganze Kraft und Liebe in die Bäumchen geteckt hat.
    Nur Mut!!

    • fraufreitag Says:

      ach ein wald…ich sehe mich schon mit frl krise durch ein garstiges dickicht irren. verlaufen und verloren, wie hänsel und gretel.
      und frl krise, nicht vergessen, “die arbeit des lehrers ist die menschheit von morgen.”

  3. das onlein Says:

    “Krankheit als Weg” – was habe ich gelacht! Ich liebe Ihren Humor :-)

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