Konversation mit der Depression

By fraufreitag

Das Loch, da liegt es vor mir. Beängstigend dunkel und sechs Wochen tief. Noch tanze ich fröhlich um den Rand. Noch lenke ich mich mit „was ich noch alles machen muss“ vom hinabstürzen ab.

Aber von ganz tief unten höre ich die sirenenhaften Gesänge der Depression: „Komm zu uns, Frau Freitag! Spring! Komm! Was willst du da oben? Lass dich fallen. Da oben hast du nichts mehr und bist doch nur verloren. Da oben hast du doch gar nichts mehr zu tun.“

„Doch, doch, ich muss, ich muss noch meinen Schreibtisch aufräumen, meine Steuererklärung machen, Fotos sortieren, Klamotten ausmisten, Unterricht vorbereiten und nachbereiten, nachbereiten, das ganze Schuljahr nachbereiten!“

Die Depression aber: „Unterricht??? Ha, dass ich nicht lache! Es sind Feeeeerien. Sommerferien!!!“

„Ja, au, au, au. Aber wenn ich jetzt den Unterricht plane, dann wird im nächsten Schuljahr alles anders. Leichter, besser. Ich könnte endlich guten Unterricht machen. Eine gute Lehrerin sein! Ich muss sofort anfangen damit! Ich werd’ gleich mal Arbeitspläne schreiben.“

„Frau Freitag, jetzt mach dich nicht lächerlich. Jetzt sind Ferien. Da denkt kein Mensch an Unterricht. Komm, schnell, ab ins Loch, los!“

„Nein, nein, warte.“ Ich gehe näher an den Rand. Alles dunkel, kalt und den Wänden nur Langeweile und schleimige Ausweglosigkeit.

„Nein, bitte, ich will nicht. Ich will meine Zeit nutzen. Wenn ich jetzt ins Loch falle, wie komme ich da je wieder raus? Ich kenne das doch. Es ist schrecklich. Wenn man im Loch ist, dann wacht man nachts wieder auf und hat Selbstmordgedanken. Bitte, bitte, ich möchte diesmal nicht, bitte.“

„Bist doch selbst schuld. Warum bist du nicht gestern Abend in den Urlaub gefahren? Da waren deine Kollegen aber schlauer.“

„Jaja, ich weiß, den Fehler mache ich immer wieder. Aber ich dachte, wenn ich hier bleibe, dann kann ich soviel erledigen. All das Liegengebliebene.“

„Hmmm, schon klar. Nun mach dir mal nichts vor, Frau Freitag. Komm, lass dich fallen!“

Neeeeeiiiiiiiinnnnnn!!!! Nur schnell weg vom Rand. Während ich renne und renne drehe ich mich um und rufe: „So. War nett mit dir zu quatschen, aber ich habe leider keine Zeit mehr. Ich muss jetzt unbedingt sofort meine Schultasche ausräumen und die Arbeitsblätter wegheften!“

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7 Antworten zu „Konversation mit der Depression“

  1. Frl. Krise sagt:

    Ach neee, Frau Freitag!
    Feriendepression? Nein danke und wie ich sie geschickt umgangen habe: Punkt 10 Uhr war ich in der Schule, abgehetzt, wie immer. Akten geordnet, ein Elterngepräch erfolglos absolviert, 2 kaffee getrunken, mit der schulpsychologin telefoniert, mein kunstprojekt fertig gestellt, mit 5 (!) anwesenden kollegInnen gequatscht und um 15 uhr, also ganz normal die schule verlassen, mit einer kollegin noch einen kaffee im stammlokal genommen = buisiness like usual…..
    Dann mit Kusine bionade getrunken, nach hause gehetzt und jetzt gehe ich mit 2 kolleginnen essen. SO! Aber morgen ist schluss mit SCHULE!
    Ich schwörs!!!!!!!!!

    • fraufreitag sagt:

      ja so kann ich auch vor dem loch flüchten. mein tag sah ja ähnlich aus. und ich weiß auch, dass frau dienstag heute in der schule ist. ich war auch schulpolitisch unterwegs und habe sogar schon mit dem schulleiter telefoniert. auf dem nach hause weg den erzieher getroffen und 3 stunden im cafe über die schule gequatscht. dann die fotos von der abschlussfeier angesehen. und sortiert. morgen fang ich auch an mit ferien- versprochen. aber wann räume ich dann den schreibtisch auf?

  2. Frl. Krise sagt:

    Fraufreitag,
    ein schreibtisch und der qudratmeter unerledigter paiere sind tote materie. Sie bleiben ruhig und vollig undeprimiert stehen und liegen, wo sie stehen und liegen. Und irgendwann werden sie sich fröhlich pfeifend an die beseitigung des schandflecks machen, ich schlage vor, in der letzten ferienwoche.
    Bis dahin: cool down, baby und weggucken.

    • fraufreitag sagt:

      frl krise, wenn ich sie nicht hätte. sie wissen doch immer was zu tun ist. zu ihrem heutige´n tag fällt mir noch ein: ist ihnen in der schule was aufgefallenß war es wirklich ein typischer normaler schultag?
      hat da nicht was gefehltß wo waren die schülerchen? waren welche da? täte mich nicht wundern. viel spaß mit den kollegeninnen. tschüüüßi

  3. wildgans sagt:

    mach`s wie kafka, erwache als käfer oder krokodil- und schreib drüber!! vielleicht jeden tag ein anderes geschöpf.
    ich lese gern….
    gruß

  4. wildgans sagt:

    ey, echt jetzz!
    nicht wirklich, odrrr?
    oder mach mit beim schreibprojekt von Donna (s.meine blogroll)-
    oder begebe dich in einen hamam und lasse schöne türken über deinen eingeseiften rücken flutschen…

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